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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Unerreichtes, Unvollkommenes, Unwürdiges begegnet uns täglich im Arbeitsumfeld, scheint unseren Alltag zu bestimmen – aber es überwiegt nicht! Dies müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Es gehört allerdings zur menschlichen Mentalität, immer eher das Störende und Unvollkommene wahrzunehmen und zu thematisieren.

Deshalb heute ein paar Gedanken zur Digitalisierung in der Veterinärverwaltung! Wie steht es mit Datenmanagementsystemen und deren Schnittstellen? Werden sie jemals eine Arbeitserleichterung sein oder eher eine immerwährende zusätzliche Pflegeaufgabe, die Arbeitszeit frisst?

Na ja, es kommt darauf an – werden Sie sagen!

Worauf denn? Auf die eigene Einstellung dazu? Auf die eigenen Fähigkeiten? Gibt es ein Arbeitszeitfenster für die sinnvolle Implementierung oder wird es (wie alles andere) einfach im Stadium „Feldversuch“ auf das vorhandene und mehr als ausgelastete Personal aufgesattelt?

Sie haben doch sicher einen Anwendungsbetreuer in der Mannschaft des Veterinäramtes, der die Fragen der speziellen Softwaresysteme betreut, seinen KollegInnen neue Datenbanken (TRACES NT) erklärt, zum Laufen bringt!? Ergänzend dazu gibt es ja selbsterklärende, 100seitige Skripte...

Oder muss man sich durch eigenes, mühsames Probieren selbst Erkenntnisse verschaffen? Wie auch immer: es ist eine Aufgabe. Insbesondere dann, wenn die Festplatte im eigenen Kopf schon ziemlich voll ist, die Nerven durch hohe Schlagzahl dünn sind, die Arbeitszeit knapp ist und der staunende Spieltrieb in der Auseinandersetzung mit neuen Herausforderungen schon lange nachgelassen hat.

Da braucht es Inkompetenz-Kompensationskompetenz!

Das Einfachste – wenn man sich in einem Fachbereich inkompetent fühlt – ist es, das fehlende Wissen und Können durch Fleiß, Übung und Fortbildung auszugleichen. Was aber, wenn das Aufgabengebiet so vielfältig und breit gefächert ist, dass zur Verfügung stehende Zeit und Möglichkeiten zum Ausgleich der Defizite nicht ausreichend sind?

Woher kann dann Hilfe kommen? Weniger Aufgaben wahrnehmen? Experten hinzuziehen? Das Missverhältnis zwischen Fachlichkeit und Rechtsvorgabe hinterfragen? Macht uns doch Letzteres zu Rechtspflegern von Vorschriften, die man fachlich nur teilweise mittragen kann.

Vielleicht naht Hilfe von anderer Seite: vielleicht bringt die Grüne Agrarpolitik eine Trendwende in der Tierhaltung, Lebensmittelerzeugung und Wertigkeit der Überwachung?!

FFF Aber: „Wer etwas besser machen will, muss es zuerst einmal besser wissen.“ (Hans Fallada in „Märchen vom Unkraut“) – allemal erforderlich ist die Anhebung der Wertschätzung für Tiere und Lebensmittel! FFF

Aber auch die Tierseuchenbekämpfung muss neue Strategien überdenken und etablieren: z.B. Impfungen gegen Geflügelpest oder Vorhalten von Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten, um tierschutzwidrigen Überbelegungen in ASP-Restriktionsgebieten vorzubeugen. Entscheidend jedoch ist gegenseitiger Austausch und gegenseitige Unterstützung. Nach und nach macht sich Corona-bedingtes Nicht-Treffen und Nicht-Sprechen-Können
bemerkbar – Entfremdung stellt sich ein. Das Wichtigste in Krisensituationen ist unser Zusammenhalt: wir sollten verstärkt befreundete Ämter sein, die sich gegenseitig lösungsorientiert helfen!

Nicht nur aus diesem Grund freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen im Rahmen des 39. Veterinärkongresses in Bad Staffelstein (24. – 26.04.2022).

Herzlichst
Dr. Holger Vogel
Präsident Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst