Amtstierärztlicher Dienst, ist das Dienst mit Zukunft, oder gibt es einen beginnenden Abgesang?

„Ein weites Feld“, könnte man als Protagonist Theodor Fontanes über den sich in einem gesellschaftlich schwierigen Kontext befindlichen Amtstierärztlichen Dienst resigniert aussagen. Stetige Kritik begleitet unsere Arbeit. Die vielen Kritiker wechseln sich ab, so dass auch dadurch eine Dauerbelastung entstanden ist.

Zudem erleben wir gegenwärtig eine Neuvermessung von Zielen und Werten auf der einen Seite, und die Sehnsucht nach Ursprünglichem auf der anderen (work-live balance, Leitungspositionen in Teilzeit, Statusverlust bei schwieriger Rechtslage).

Wo anfangen, wo aufhören? Hilft oder belastet uns das Qualitätssicherungssystem in der Veterinärverwaltung?

Ist sie eine verselbstständigte oder eine integrierte, weil rechtlich verankerte Aufgabe?

Lösen wir uns damit in Selbstbeschäftigung von Basis und Front los und verabschieden uns mehr und mehr in die Etappe im militärischen Sinne?

Haben die Kolleginnen und Kollegen mit Basiskontakt eben Pech gehabt bei der Arbeitsplatzwahl? Gelten sie bei Rechtsunterworfenen, Vorgesetzten und politischen Akteuren gleichermaßen als unbequem, weil sie konsequent, rechtsverbindlich und nach ethischen Grundsätzen arbeiten, wo sie doch als Feigenblatt und Handelshilfsmittel gesehen werden?

Da kommt es leicht zu eigenwilligen Koalitionen. Manchmal im Verborgenen, manchmal ganz offen – je nach Geschick der Akteure – jeweils zum Nachteil der Basiskonfrontierten.

Trotzdem bitte nicht verzagen, man braucht uns dennoch. Die Aufgaben nehmen stetig zu, die Zahl der AmtstierärztInnen auch. Leider in einem nicht passenden Verhältnis.

Der diesjährige Deutsche Tierärztetag thematisierte im Arbeitskreis 3 den „Amtstierarzt 2030“, analog zu Berufsfeldern der praktizierenden Tierärzte.

Der vorgegebene Aufgabenbereich amtstierärztlicher Tätigkeit wird unter dem Gesichtspunkt der Weiterentwicklung beschrieben, notwendige Veränderungen in der Aufgabenwahrnehmung werden diskutiert und Forderungen an Entscheidungsträger aus Politik und Regierungen formuliert. Positiv ist damit auch die Resonanz des gesamten tierärztlichen Berufsstandes auf das Tätigkeitsfeld der Amtstierärzteschaft zu werten.

Es geht um notwendige Entwicklungen und Ausrichtungen im Berufsbild, die Reduktion von Belastungen und den sorgsamen Umgang mit Lebenszeit. Die Kritiker aus den eigenen Reihen sollten konstruktiv sowie positiv sein und denken – so erreicht man mehr, weil man mitnimmt und nicht ausschließt. (Fällt uns allen schwer – ist trotzdem besser.)

Die Abfragen des BbT in 400 Veterinärverwaltungen zur Personalbedarfsanalyse fördern ein besorgniserregendes Stimmungsbild zu Tage. Arbeitsbelastung, mangelnde Wertschätzung und permanente Negativkritik lassen den Glanz des „Veterinärrates“ stumpf werden. Der Status aus der Zeit des Beamtenstaates ist passe, nunmehr ist der amtstierärztliche Dienst ausschließlich dem Rechtsstaatsprinzip verpflichtet. Das ist Veränderung, aber nicht Ende des Berufsstandes, wie in Fontanes Gedicht beschrieben:

„Immer enger, leise, leise
Ziehen sich die Lebenskreise, und
Schwindet hin was prahlt und prunkt,
Schwindet hoffen, hassen, lieben
Als der letzte dunkle Punkt.“

Vielmehr erweitert sich der Radius unserer „Lebenskreise“ durch Wissenszuwachs, Aufgabenvielfalt und Gestaltungsräume.

Gegen einen Schwund von Glanz, Hoffnung und Empathie müssen wir uns selbst bewegen.

Niemand hat gesagt, dass das leicht wird. Erkennen wir, was uns antreibt, hilft oder hemmt.

Herzlichst Ihr
Dr. Holger Vogel
Präsident Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

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