Amtstierärztlicher Dienst, ist das Dienst mit Zukunft, oder gibt es einen beginnenden Abgesang?

„Ein weites Feld“, könnte man als Protagonist Theodor Fontanes über den sich in einem gesellschaftlich schwierigen Kontext befindlichen Amtstierärztlichen Dienst resigniert aussagen. Stetige Kritik begleitet unsere Arbeit. Die vielen Kritiker wechseln sich ab, so dass auch dadurch eine Dauerbelastung entstanden ist.

Zudem erleben wir gegenwärtig eine Neuvermessung von Zielen und Werten auf der einen Seite, und die Sehnsucht nach Ursprünglichem auf der anderen (work-live balance, Leitungspositionen in Teilzeit, Statusverlust bei schwieriger Rechtslage).

„Es geht ums Tun, nicht ums Siegen“ (Konstantin Wecker)
Auch wenn der Zeitgeist der Informationshast, der Effizienz und Marktwirtschaft die Politik, die Meinungsbildung und die Wirtschaft treibt, ist es erlaubt und geboten, sich aus berufsethischen und berufsständischen Gründen für die Würde der Tiere einzusetzen. Die Erfassung und Bewertung tierschutzrelevanter Befunde an verendeten oder getöteten Tieren ist dazu unabdingbar. Viel zulange schon wird an dieser Stelle in würdeverachtender Weise weggeschaut. Kein Wunder, dass das Naumburger Urteil (OLG Naumburg) trotz Hausfriedensbruch einen rechtfertigenden Notstand anerkennt, wenn Tierschützer in einen Stall einbrechen. Da kann man hoffen, dass von Amtstierärzten initiierte Verfahren künftig auch die notwendige rechtliche Rückendeckung erfahren. Man denke an die Tiere von Mietnomaden, an Animal Hording, verwahrloste Tiere durch menschliche Überforderung, fehlende Sachkunde und Tiere als Opfer industriellen Effizienzhandelns.

„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“
George Orwell (1903-1950) in Animal Farm 1945

Welch eine Aussage über Tiere, die Menschen meinte; welch Aussage vor allem für jene, die das System des Mauersozialismus vor fast 30 Jahren hinter sich gelassen haben.

Sie gilt heute allerdings auch für die Betrachtung von Tieren aus ethischer Sicht: Futtertier, Schädling, vertrauter Begleiter, verdinglichter Rohstoff...

Fachgebietsredaktionen Orwells „Farm der Tiere“ stand in der DDR auf dem Index der verbotenen Bücher. Die Schweine (als Fabeltiere anstatt der kommunistischen Führer) jagten den Farmer (als Kapitalisten-Sinnbild) davon, übernahmen die Farm, machten junge, unwissende Hunde zu einfältigen Beschützern ihrer Macht, unterjochten alle anderen Farmtiere ideologisch mit Phrasen und Zahlenkolonnen des herbeigeredeten Erfolgs.

„Man darf den Ministern nicht das Land überlassen, denn es ist nicht ihr Land“,

sagte Friedrich der Zweite als Souverän seines Staates. Wobei er sich als König von Preußen als erster Diener seines Staates sah. (Eine heute verlorengehende Eigenschaft in der politischen Riege ?) Heute ist der Souverän das Volk, welches sich in demokratischen Regularien artikulieren und durchsetzen kann. Was hat das Volk mit seinem Abstimmungsverhalten zur Bundestagswahl gemeint, und wie sind diese Mehrund Minderheitsverhältnisse in einer Regierung umzusetzen?

EDITORIAL 3/2017

Liebe Leserinnen und Leser,

„Luxus treibt den Menschen zu keiner Tugend an – er erstickt meist alle besseren Gefühle in ihm.“
Friedrich d. Große (1712 - 1786)

Was haben Elektroautos und artgemäße Tierhaltung gemeinsam?

Der gegenwärtige (Zu-)Stand wird nicht als zukunftsfähig eingeschätzt. Die derzeitigen Autos und Haltungssysteme sind höchstens noch Brückentechnologien, möchte man schlussfolgern.

Schlagen hier Quantitäten bald in neue Qualitäten um?

EDITORIAL 2/2017

„Jedes Gesetz soll klar, einheitlich und genau sein; es auslegen heißt fast immer, es zu verderben.“
Voltaire (1694 - 1778), Schriftsteller und Philosoph der europäischen Aufklärung

Da wünscht man sich doch den Anspruch der Aufklärung – durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernde Strukturen zu überwinden – ins Europa unserer Tage zurück. Aber wahrscheinlich besteht dieser Anspruch, man lese die Erwägungsgründe zu den Rechtsetzungen, um deren Intention zu erahnen, noch fort. Leider sind die Ansprüche das Eine und die Wirklichkeit das Andere.

EDITORIAL

„Du bist Tierarzt, beweise es!“ (frei nach Bruno Apitz)

Liebe Leserinnen und Leser,

kann uns der Ethikkodex der Tierärztinnen und Tierärzte Deutschlands helfen, auf dem richtigen Weg zu bleiben?

Muss der/ die eine oder andere oder auch wir alle erst den richtigen Weg (wieder) finden? Ist die Ernährungssicherstellung mit Lebensmitteln tierischen Ursprungs nicht schon lange erreicht? War dies überhaupt je ein rechtfertigender Grund, Entwicklungen, die dem Tierwohl zuwider laufen, zuzulassen? Haben wir als tierärztlicher Berufsstand insgesamt nicht Erkenntnisse zur Physiologie und Reproduktion, aber auch zur Therapie allzu leichtfertig aus der Hand gegeben? Werden wir grundlos einzig als Produktionsfaktor in der Nutztierhaltung und Kundendienst bei Hobbytieren gesehen? Verfallen wir zudem dem Stockholm-Syndrom in der Argumentation? Ist unsere Bewertung der Situation durch Abhängigkeiten bestimmt?

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, 

„Indessen der Supplikant hat seine Verdienste und so soll Er künftig den Titel Viehrath führen.“ So verfügte es Friedrich der Große von Preußen um 1770 auf das Gesuch eines kurmärkischen Tierarztes um den Titel eines Hofrates. 

Der Viehrath von damals könnte der Veterinärrat von heute sein. Wo aber bleibt im Gegensatz zu damals die Anerkennung unserer Verdienste heute? Anlässlich von Veranstaltungen und gesellschaftlichen Höhepunkten werden wir Amtstierärzte gerne als Dekoration eingeladen und schon mal hofiert. 

Die vom tierärztlichen Berufsstand miterrungene Lebensmittelsicherheit auf einem einmalig hohen Niveau, das mitgestaltete und dadurch überschaubar gewordene Tierseuchenund Zoonoserisiko als Bestandteil der veterinary public health und die dauerhaft zu meisternde ethisch schwierige Situation im Tierschutz im Wettstreit mit auseinander driftenden gesellschaftlichen Ansprüchen werden kaum als Verdienst honoriert. 

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