Aktuelle Informationen:

  • 2020-04-05 Schreiben des Präsidenten des BbT zur Coronakrise und zur Durchführung von Veterinärpraktika in den Ämtern Link >>>
  • 2020-08-28 Stellungnahme zur Neufassung derv AVV-Rüb durch BbT, BVLK und foodwatch Link >>> 
  • 2020-10-07 Pressemeldung des BbT zu Tiertransporten von Nutztieren in Drittländer Link >>>
  • Stellenausschreibungen Link >>>

Online-Präsenz-Seminar zum Animal-Health-Law und dem nationalen Tiergesundheitsrecht
hier: Programm und Link zur 
Anmeldung

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Liebe Leserinnen und Leser,

das Zitat (Helmuth von Moltke, 1800 – 1891, preußischer Militär­stratege) „Getrennt marschieren, vereint kämpfen“ passt auch auf die notwendige Zusammenarbeit der Berufs­ verbände der praktizierenden- und der Amtstierärzte. Jede B­erufsgruppe bedarf spezieller Expertisen – darf aber die Schnittstellen nicht aus den Augen verlieren!

Um im Bereich der Bewertung von tierschutzrelevanten Befunden zu gleichen Einschätzungen zu gelangen. haben sich die Verbände bpt und BbT darauf verständigt, relevante Beiträge sowohl in der Zeitschrift „Der praktische Tierarzt“ als auch im „Amtstierärztlichen Dienst“ zu veröffentlichen. Der Informationsaustausch wird mit einem Beitrag zu Kachexie beim Schwein in diesem Heft beginnen.

Derzeit befindet sich das Tierarzneimittelgesetz in einer antepartalen Phase. Das be­deutet: Alles ist angelegt, nichts lässt sich mehr so ohne Weiteres ändern. Lageberichtigungen und Fehlstellungen können bei Kunstfertigkeit allerdings noch in Geburt berichtigt werden…
Das Ende der Legislaturperiode wirft Schatten, es wird zur eiligen Geburt gedrängt…

In dieser Situation – vor bereits ziemlich vollendete Entwürfe gestellt – fanden sich die Verbände bpt, BbT und die BTK mit ihren Präsidenten sowie mit ihren Experten zum konstruktiven und schnellen fachlichen Austausch zu diesem Thema zusammen! Mittels des fundierten Wissens der praktizierenden Tierärzte und der Amtstierärzte sowie den Mitgliedern des Ausschuss für Arzneimittel der BTK wurden sehr viele Unklarheiten im vorgelegten Entwurf identifiziert, Lösungsvorschläge aufgezeigt. Entstanden ist ein Papier mit Tragweite für das BMEL, verbunden mit der Hoffnung auf Berücksichtigung.

Ob nun aus dem neu geschaffenen Tierarzneimittelgesetz ein großer Wurf wird oder die Loslösung vom AMG ein Abrücken vom One Health Gedanken, eine Spezialisierung oder Zweitklassigkeit bedeutet, bleibt abzuwarten.
Auf jeden Fall bleibt uns jedoch: geteiltes Leid ist halbes Leid…

Apropos Leid! Leid muss man empfinden, wenn man die Auswertungen des Rindfleisch Audit der DG (SANTE) 2019 liest! Zusammengefasst kommt man zum Ergebnis, dass amt­liche Tierärzte wie Kopfschlächter im Akkord und losgelöst von den zuständigen Veterinärbehörden arbeiten! Hat sich da die Tierärzteschaft aus den Augen verloren? Die amtlichen Tierärzte den amtlichen Auftrag? Die Amtstierärzte die Fachaufsicht und Rückendeckung?

„In manchen Fällen ist die Rolle der amtlichen Tierärzte als Vertreter der zuständigen Behörde nicht klar, was auf eine unzureichende Integration in die Struktur der zuständigen Behörde zurückzuführen sein könnte.“ (Schlussfolgerungen zu Unparteilichkeit und Freiheit von Interessenskonflikten Nr. 54)

„… in wieder anderen Landkreisen müssen die Gebühren für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung direkt vom Schlachthofbetreiber an den amtlichen Tierarzt gezahlt werden.“ (Nr. 48)

„…stellte das Auditteam fest, dass die Rolle der amtlichen Tierärzte gegenüber den Lebens­mittelunternehmern unklar war.“ (Nr. 49)

In dem Ihnen nun vorliegenden Heft beschäftigt sich ein Beitrag mit der schwierigen Situation, in der sich die amtlichen Tierärzte befinden. Die o. g. Probleme bedürfen einer weiteren Betrachtung.

Artikel, die nicht von der Fachgebietsredaktion geprüft wurden (PR-Artikel), erhalten einen leichten Grau-Fond, um hier nach dem Presse­­gesetz einen optischen Unterschied darzustellen.

Die bemerkenswerte Sicht einer Juristin, Dr. Annabelle Thilo, zur Amtstierärzteschaft ­finden Sie gleichfalls in diesem Heft. Ergeben sich daraus folgende Fragen: Welche Idee hätte Helmuth von Moltke?

Sind wir im richtigen Ressort untergebracht? Stehen wir auf verlorenem Posten?

Herzlichst
Dr. Holger Vogel
Präsident
Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

Liebe Leserinnen und Leser,

„Besser laut geflucht als leise gelogen.“ (Hans Fallada 1893-1947)

Oder wie sonst soll mit der Situation rund um den bevorstehenden Tiergesundheitsrechtsakt / Animal Health Law der EU umgegangen werden?

Geltungsbeginn ist der 21.04.2021! Obwohl es noch ein halbes Jahr vorher an Rechtssicherheit mangelt, gilt dies Datum als unaufschiebbar! Ade nationales Recht in Zeiten akuter Tierseuchengefahren! Ade vertraute Sicherheit und Kenntnis basierend auf dem Viehseuchengesetz im Namen des Reichs und mit Zustimmung des Bundesrates von vor mehr als 100 Jahren.
Das Ganze geschieht nun auch noch unter der Coronapandemie-bedingten Ressourcenverknappung an Personal und Kräften.

Liebe Leserinnen und Leser,

„Die Kürze des Lebens, die Stumpfheit der Sinne, die Starre der Gleichgültigkeit und nutzlose Beschäftigung gestattet uns bloß, wenig zu wissen …“ (Nikolaus Kopernikus (1473-1543), Domherr in Frauenburg/ Ermland in Preußen).

Langsames und verstehendes Lesen dieser Worte des deutschen Arztes und Astronomen lässt die seit der Entstehung dieses Zitates vergangenen Jahrhunderte schwinden!

Denkende Menschen können sich in diesen Aussagen wiederfinden, so auch wir.

Bei der Formulierung der „nutzlosen Beschäftigung“ stockt einem fast der Atem. Täglich haben wir damit zu tun! Da gehört das Ringen um die eigentlich als selbstverständlich angesehenen Arbeitsvoraussetzungen dazu; um eine zeitgemäße IT-Ausstattung, den Parkplatz für das dienstlich genutzte aber nicht anerkannten Privat-Kfz, um die sich zur Selbstbeschäftigung auswachsende Risikoanalyse und Dokumentation in Qualitätssicherungs-Systemen. Um die Berechnung von Kontrollfrequenzen, die in manchen Ämtern regelmäßig nicht schaffbar sind, die Beschäftigung mit Tiertransportanträgen, deren Bearbeitung sich als Puzzlespiel anmutet – ohne irgendeine Lenkung durch die außenvertretungsbefugten Behörden des Bundes und der EU.

Liebe Leserinnen und Leser, wird nach der Viruskrise die Rückkehr zum „Status quo ante“ wieder möglich sein?

Robert Merle (franz. Schriftsteller, 1908 – 2004) wirft in seiner in eine Viruspandemie eingebettete Romanhandlung „Die geschützten Männer“ die gleiche Frage auf! In dem 1974 erschienenem Buch geht es um ein Virus, das ausschließlich Männer befällt, um die Suche nach einem Impfstoff, um die Rivalität zwischen Patriachat und Matriarchat, die Rückkehr zur Demokratie nach dem Ausnahmezustand und interessante Gedankenspiele um Macht und Einfluss.

Heute stellen sich zudem die Fragen zum Urbanisierungsdrang, zu uneingeschränkten Individualreisen, zur Vielzahl von Dienstreisen, zur Globalisierung der Produktion und des Handels, zu der Kommerzialisierung der medizinischen Versorgung.

Als Tierärzten sagen uns natürlich Begriffe wie Erregerpassagierung und -übertragung in großen, auf engem Raum gehaltenen Menschenpopulationen (z.B. auf Kreuzfahrschiffen und in Großschlachtbetrieben), Gefährdungen durch das Verbringen von Individuen mit unbekanntem Seuchenstatus über große Entfernungen sowie unzureichende Diagnostik und Überwachungsmöglichkeiten etwas. Glücklicherweise ist es in der Menschenpopulation lange gut gegangen!

„Wo immer ein Tier in den Dienst des Menschen gezwungen wird, gehen die Leiden, die es erduldet, uns alle an.“ (Albert Schweitzer, 1875 - 1965)


Dies gilt in besonderem Maße für uns Tierärzte.

Die Kette der Unzulänglichkeiten im Umgang mit Tieren ist derzeit ziemlich lang. Wir, als Amtstierärzte, kennen sie alle. Wir sind oft kraftlos, machtlos und resigniert.

Unzulängliche Betäubungsgeräte im Einsatz auf den Schlachtstätten, unzulängliche Transporte den Märkten folgend, unzulängliche Haltungsbedingungen dem Preisdruck geschuldet, unzulängliche Tierschutzüberwachungen angesichts der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse, unzulänglicher Konsum von Lebensmitteln tierischen Ursprungs als verfehlte gesellschaftliche Entwicklung.

„Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“ (Albert Schweitzer)

Wie könnte man kürzer das Ausmaß des Konsums, der Umweltzerstörung, der Ressourcenverschwendung, des Mangels an ethischen Grundsätzen erklären.

Transparenz der rechtsstaatlichen Überwachung und Zugang zu deren Kontrollergebnissen für die Öffentlichkeit sind wichtig. Über Art und Weise kann man sicher Konsens finden.

Derzeit werden die Abfragen (z. B. nach VIG) durch berechtigte Bürger als weitere Einschränkung der ohnehin knappen Ressourcen gesehen und sind somit bei Behördenvertretern unbeliebt.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts verneinte letztinstanzlich den Auskunftsanspruch zu Tiertransporten der Animals Angels wegen fehlender Rechtsgrundlage, da weder Verbraucherinformationsgesetz noch Umweltinformationsrecht tierschutzrechtlich einschlägig sind. Als Amtstierärzte wollen wir uns auf die Bearbeitung und Abhilfe von Tierschutzfällen konzentrieren. Aber beides ist wichtig: Effizienz und Transparenz.

„Was ich am wenigsten studiert habe, ist die Politik; sie besteht aus Lug und Trug und passt nicht für meinen Charakter ...“ meinte Friedrich II. (1712 - 1786)

Wenn in diesem Satz ein Körnchen Wahrheit liegt, sollte man hinterfragen, warum man sich dennoch mit Politik beschäftigt. Mit dem Analysieren, wer etwas sagt und welchem Zweck es dienen könnte – denn genau das ist Politik. Jede Kräftegruppierung lotet das für sie Machbare aus: Egal, ob es nun individuelles Interesse, Lobbyarbeit, Profilsuche, Gewinnsucht oder Einflussnahme ist.
Oligarche Strukturen in der Distribution, Gewinnung und Verarbeitung von Lebensmitteln bestimmen die Marktpolitik und damit auch Einstellungen und Entwicklungen. Primärerzeuger werden bzw. sind abhängig vom Preisdiktat. Es folgt ein Wachsen oder Weichen. Lässt Marx doch noch grüßen?

Im Zuge der Listerienfunde im Wilke-Fall melden sich viele zu Wort. Medien- und Politikvertreter sowie Wirtschaftsmagnaten stellen Mängel in der Überwachung fest – wo doch deren eigene Aktivitäten zu hinterfragen sind. Forderungen werden postuliert. Neue Behördenstrukturen diskutiert. Ausgeblendet wird dabei die Kaltstellung der Überwachung.

Mit der Einführung der risikoorientierten Überwachung der Lebensmittel ist ein massiver Rückgang der Vorort-Kontrollen zu verzeichnen. Der Spiegel spricht von 225.000 Kontrollen pro Jahr in Deutschland seit 2007. Jedem muss doch klar sein: „Ohne Kontrollen kommt es zum Verfall der guten Sitten in der Lebensmittelhygiene“ (Eckehard Wolf, Amtstierarzt a.D., Neubrandenburg). Der Rückzug der staatlichen Exekutive betrifft auch die Laborkapazitäten. Die Überwachung der gesetzlich geforderten Eigenkontrollen bei biologischen, chemischen und physikalischen Gefährdungen erfordert eben auch eine ausreichende personelle und materielle Ausstattung der staatlichen Untersuchungsämter.

Hier ist Transparenz gefordert! Bisherige Strukturen - aber auch die neuen - leiden unter Arbeitsverdichtung und somit unter einem Erfolgsdruck, dem nicht jeder standhalten kann.

Liebe Leserinnen und Leser,

„Mit vollen Händen und leeren Herzen – es ist eine sich selbst zerstörende Welt geworden.“

So skizziert Juli Zeh in ihrem viel beachteten Roman „Leere Herzen“ (2019) eine postdemokratische Gesellschaft.

Heute wird immer von guten gesellschaftlichen Bedingungen gesprochen: reiches Land, Wohlstand, Frieden, work life balance. Das ist alles richtig. Aber warum wird es nicht so empfunden ? Brennt das Feuer für die Demokratie durch Selbstverständlichkeit bzw. Gleichgültigkeit in einer seichten Wohlfühlatmosphäre nieder?

Woher kommt die Endzeitstimmung in weiten Teilen der Gesellschaft; ist es die Deklassierung der Mittelschicht, und damit auch der Akademiker und Handwerksmeister ? Bestimmen Ängste um Statusverlust das Wahlverhalten – wie es Adorno beschrieb?

Die fortschreitende Urbanisierung verändert das bisherige Gleichgewicht zwischen Landund Stadtbevölkerung zu Gunsten der Städter. Verständnis für Erzeugung von Lebensmitteln geht verloren. Erfahrungswissen um Früchte, Fruchtfolgen, Tierrassen, Geburten, Schlachtung, Verarbeitung und Konservierung verlieren ihre Notwendigkeit und verschwinden langsam aus dem Gedächtnis. Leider auch die Achtung vor den Erzeugnissen und Erzeugern. Verklärte Vorstellungen und Preisdruck bestimmen das Verhalten.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

„Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten ...“ (J. W. v. Goethe)

Genau das war sinngemäß das Ziel des 38. Internationalen Veterinärkongresses in Bad Staffelstein.

700 Teilnehmer aus dem deutschen Sprachraum konnten sich anhand von 26 Fachreferaten aus Wissenschaft und Verwaltungspraxis informieren, diese hinterfragen und diskutieren.

Die Schwerpunkte aus Tierseuchenbekämpfung, Tierschutz und der Lebensmittelhygiene waren zum Teil mit Brisanz geladen. Hinterfragt werden musste, „auf Grund welcher Datenlage Langzeittiertransporte abgefertigt werden können?“. Als völlig inakzeptabel muss die unterschiedliche Handhabung der Abfertigung von eben diesen Tiertransporten in den deutschen Bundesländern durch die einzelnen Veterinärbehörden betrachtet werden. Insbesondere weil die Plausibilität der Routen immer noch unterschiedlich bewertet wird.

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