Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

„Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten ...“ (J. W. v. Goethe)

Genau das war sinngemäß das Ziel des 38. Internationalen Veterinärkongresses in Bad Staffelstein.

700 Teilnehmer aus dem deutschen Sprachraum konnten sich anhand von 26 Fachreferaten aus Wissenschaft und Verwaltungspraxis informieren, diese hinterfragen und diskutieren.

Die Schwerpunkte aus Tierseuchenbekämpfung, Tierschutz und der Lebensmittelhygiene waren zum Teil mit Brisanz geladen. Hinterfragt werden musste, „auf Grund welcher Datenlage Langzeittiertransporte abgefertigt werden können?“. Als völlig inakzeptabel muss die unterschiedliche Handhabung der Abfertigung von eben diesen Tiertransporten in den deutschen Bundesländern durch die einzelnen Veterinärbehörden betrachtet werden. Insbesondere weil die Plausibilität der Routen immer noch unterschiedlich bewertet wird.

Liebe Leserinnen und Leser,

„Die verborgene Quelle des Humors ist nicht die Freude, sondern der Kummer“,

sagte einst Mark Twain (1835-1910).

Wie sonst - als mit Humor - sollte man den täglichen Herausforderungen begegnen? Humor, der uns hilft, mit dem problembeladenen Tagesgeschäft und den oft unauflösbaren Widersprüchen der gesellschaftlichen Forderungen umzugehen.

Diese Widersprüche sind wie die sinnbildlichen Mühlsteine, zwischen die man gerät, oder die Stühle, zwischen denen man sitzt. Leider wird oft die vermeintliche Unauflösbarkeit von Konflikten der Gesellschaft an den Unzulänglichkeiten der Frontsoldaten, der Polizei und auch an der Amtstierärzteschaft festgemacht.
Die Konfliktparteien können quasi gemeinsam Verantwortliche präsentieren. Diese Verantwortlichen werden als zum Schweigen verpflichtete Grundmatrix gesehen. Die nichts zu sagen hat, aber verantwortlich gemacht wird. Das Sagen beanspruchen NGO´s und die Wirtschaft. Die Politik agiert irgendwo dazwischen und lässt die Exekutive im Regen der Aggressionen stehen. Und die Mehrheit der Konsumenten schweigt oder ist empört, je nach Gefühlslage.

Dies ist aber zu einfach gedacht, die Widersprüche sind globaler und komplexer!

Das Problemfeld der Tiertransporte wird derzeit an der Attestierung des Amtstierarztes festgemacht. Schließlich hat derzeit die/der einzelne Amtstierärztin/Amtstierarzt mit ihrer/seiner Unterschrift über pro und contra zu entscheiden. Ein inzwischen uferloses und widersprüchliches Regelgeflecht von Bedingungen, ein schwieriges Transportdaten-Verarbeitungssystem und die bekannt gewordenen Bilder über den Umgang mit Nutztieren auf Transporten und Schlachthöfen in Drittländern sind zu einer unüberwindbaren Hürde auf dem Weg zu einer gesellschaftlich akzeptablen Entscheidung geworden.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Standortnamen von Schlachthöfen wie Fürstenfeldbruck, Tauberbischofsheim, Stendal, Bad Iburg und jüngst Osnabrück müssen uns als Vertreter des Berufsstandes der zuständigen Überwachungs- behörden betroffen stimmen. Bilder aus Deutschland! Nur die Spitze des Eisberges? Leider ja! Es gibt noch mehr Namen.

Woran liegt es, dass es trotz Tierschutztransportverordnung, trotz Tierschutz- schlachtverordnung, trotz Tierschutzgesetz und Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz solche dokumentierten Verstöße gibt? Warum müssen die Verstöße durch NGOs aufgedeckt werden?

Amtstierärztlicher Dienst, ist das Dienst mit Zukunft, oder gibt es einen beginnenden Abgesang?

„Ein weites Feld“, könnte man als Protagonist Theodor Fontanes über den sich in einem gesellschaftlich schwierigen Kontext befindlichen Amtstierärztlichen Dienst resigniert aussagen. Stetige Kritik begleitet unsere Arbeit. Die vielen Kritiker wechseln sich ab, so dass auch dadurch eine Dauerbelastung entstanden ist.

Zudem erleben wir gegenwärtig eine Neuvermessung von Zielen und Werten auf der einen Seite, und die Sehnsucht nach Ursprünglichem auf der anderen (work-live balance, Leitungspositionen in Teilzeit, Statusverlust bei schwieriger Rechtslage).

„Es geht ums Tun, nicht ums Siegen“ (Konstantin Wecker)
Auch wenn der Zeitgeist der Informationshast, der Effizienz und Marktwirtschaft die Politik, die Meinungsbildung und die Wirtschaft treibt, ist es erlaubt und geboten, sich aus berufsethischen und berufsständischen Gründen für die Würde der Tiere einzusetzen. Die Erfassung und Bewertung tierschutzrelevanter Befunde an verendeten oder getöteten Tieren ist dazu unabdingbar. Viel zulange schon wird an dieser Stelle in würdeverachtender Weise weggeschaut. Kein Wunder, dass das Naumburger Urteil (OLG Naumburg) trotz Hausfriedensbruch einen rechtfertigenden Notstand anerkennt, wenn Tierschützer in einen Stall einbrechen. Da kann man hoffen, dass von Amtstierärzten initiierte Verfahren künftig auch die notwendige rechtliche Rückendeckung erfahren. Man denke an die Tiere von Mietnomaden, an Animal Hording, verwahrloste Tiere durch menschliche Überforderung, fehlende Sachkunde und Tiere als Opfer industriellen Effizienzhandelns.

„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“
George Orwell (1903-1950) in Animal Farm 1945

Welch eine Aussage über Tiere, die Menschen meinte; welch Aussage vor allem für jene, die das System des Mauersozialismus vor fast 30 Jahren hinter sich gelassen haben.

Sie gilt heute allerdings auch für die Betrachtung von Tieren aus ethischer Sicht: Futtertier, Schädling, vertrauter Begleiter, verdinglichter Rohstoff...

Orwells „Farm der Tiere“ stand in der DDR auf dem Index der verbotenen Bücher. Die Schweine (als Fabeltiere anstatt der kommunistischen Führer) jagten den Farmer (als Kapitalisten-Sinnbild) davon, übernahmen die Farm, machten junge, unwissende Hunde zu einfältigen Beschützern ihrer Macht, unterjochten alle anderen Farmtiere ideologisch mit Phrasen und Zahlenkolonnen des herbeigeredeten Erfolgs.

„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“
George Orwell (1903-1950) in Animal Farm 1945

Welch eine Aussage über Tiere, die Menschen meinte; welch Aussage vor allem für jene, die das System des Mauersozialismus vor fast 30 Jahren hinter sich gelassen haben.

Sie gilt heute allerdings auch für die Betrachtung von Tieren aus ethischer Sicht: Futtertier, Schädling, vertrauter Begleiter, verdinglichter Rohstoff...

Fachgebietsredaktionen Orwells „Farm der Tiere“ stand in der DDR auf dem Index der verbotenen Bücher. Die Schweine (als Fabeltiere anstatt der kommunistischen Führer) jagten den Farmer (als Kapitalisten-Sinnbild) davon, übernahmen die Farm, machten junge, unwissende Hunde zu einfältigen Beschützern ihrer Macht, unterjochten alle anderen Farmtiere ideologisch mit Phrasen und Zahlenkolonnen des herbeigeredeten Erfolgs.

„Man darf den Ministern nicht das Land überlassen, denn es ist nicht ihr Land“,

sagte Friedrich der Zweite als Souverän seines Staates. Wobei er sich als König von Preußen als erster Diener seines Staates sah. (Eine heute verlorengehende Eigenschaft in der politischen Riege ?) Heute ist der Souverän das Volk, welches sich in demokratischen Regularien artikulieren und durchsetzen kann. Was hat das Volk mit seinem Abstimmungsverhalten zur Bundestagswahl gemeint, und wie sind diese Mehrund Minderheitsverhältnisse in einer Regierung umzusetzen?

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