Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIAL 1 / 2022
Anmeldung zur 4. Jahrestagung der TPT (Tierärztliche Plattform Tierschutz)
"Tierschutz und Lebensmittelsicherheit am Schlachthof 
Was muss sich ändern?"

 
 
 
 
 
 
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Der Regierungsveterinärrat oder auch Kreistierarzt genannt, war in der Regel eine 1-Mann-Behörde, dessen Amtsraum sich gewöhnlich in der Privatwohnung des Stelleninhabers befand. Wenn nicht die Ehefrau mithalf, gab es Unterstützung durch eine Schreibhilfe, die von der Amtsunkostenpauschale zu entlohnen war - und diese betrug – in Rheinland-Pfalz im Jahre 1953 – monatlich 120 DM. .
In verwaltungsorganisatorischer Sicht war der Kreistierarzt eine staatliche Fachsonderbehörde
Die Hauptaufgaben lagen im Bereich der Tierseuchenbekämpfung und der Sanierung der Rinderbestände von Tuberkulose und Brucellose, also wichtige Bereiche des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wie die dem gleichem Zweck dienende Überwachung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung, bis 1986 noch Fleischbeschau genannt, in einer Zeit, in der es rund 5 Millionen Hausschlachtungen gab.
Im Tierschutz und in der Lebensmittelüberwachung hatten die Kreistierärzte bis in die 70iger Jahre nur Sachverständigenfunktion. Der Vollzug erforderlicher Maßnahmen für diese Aufgabenbereiche lag bei den zuständigen Ortspolizeibehörden der Städte und Gemeinden.
Die Freibankbetriebe hatten ihre Blütezeit, denn Verwertung stand vor Vernichtung. Anderes war in den von Hunger und Verzicht geprägten Nachkriegsjahren weder moralisch vorstellbar noch politisch vertretbar.
Eine gemütliche Zeit für die Kollegen könnte man meinen. Aber dem war nicht so, wie einige Zahlen belegen:
Ende 1951 waren 152000 Gehöfte, damals also 10 % der 1,5 Millionen Kuhhaltungen von MKS betroffen, im Jahr 1952 noch 55000 und 1953 immerhin noch 1.900 Betriebe. Die durchschnittliche Bestandsgröße lag bei 3,5 Kühen und die Jahresleistung geprüfter Kühe bei 3800 Litern. Tuberkulose der Rinder bestand 1953 in 3500 Beständen, Schweinepest in 700 Beständen bei 2,3 Millionen Schweinehaltungen ( durchschnittliche Bestandsgröße 6 Schweine - heute 480 )
und Hühnerpest – so wurde sie damals noch bezeichnet – grassierte in 4000 Ställen. Von gewissen Dunkelziffern will ich gar nicht reden. Sie landeten sicher schon im Suppentopf bevor der Kreistierarzt etwas davon erfuhr. Von der Tollwut waren im gleichen Jahr 470 Gemeinden betroffen
600000 der rund 2,5 Millionen in 1953 geschlachteten Rinder waren in irgendeiner Form wegen Tuberkulose zu beanstanden, was die Blüte der Freibankbetriebe erklärt.
Ich trage diese Zahlen mit hohem Respekt vor den Leistungen unserer Kollegen vor, denen weder PC, Laptop, Fax und Handy noch Animo, Hit, Bekom oder andere Software zur Verfügung standen.
Ein Telefon, die gute Olympia oder Olivetti - Schreibmaschine - mechanisch ,- die elektrische folgte erst später— sowie Blaupapier und Tippex gehörten zur damaligen Standardausstattung.  Betriebsdaten wurden in meterlangen Hängeordnern verwaltet, und die Landwirte waren noch lange nicht alle per Telefon erreichbar. Ringuntersuchungen durch den Kreistierarzt wurden in vielen Dörfern durch Gemeindegehilfen durch Ausruf oder am schwarzen Brett bekannt gegeben.

In Zusammenarbeit mit den praktizierenden Tierärzten, denen die Impfungen, Tuberkulinisierungen und Blutentnahmen weitestgehend übertragen wurden, gelang eine erfolgreiche Seuchenbekämpfung. Dem Kreistierarzt oblag damals wie heute die Koordination und fachliche Überwachung und die Anordnung notwendiger Sanierungs-und Sperrmaßnahmen. Das verlief bis in die 80iger Jahre nicht immer spannungsfrei, denn bis in diese Zeit konnten die Amtstierärzte in einigen Ländern noch nebenberuflich in der Praxis tätig sein.

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