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Anwendung von Narkosemitteln durch Laien darf nicht Gesetz werden Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) und Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) appellieren an Bundestag und Bundesrat, bei der vorgesehenen Änderung des Tierschutzgesetzes auf eine – auch indirekte - Freigabe von Narkosemitteln zur Durchführung einer Ferkelkastration durch Landwirte zu verzichten.

Der vorliegende Gesetzentwurf eröffnet in den §§ 4 und 6 die Möglichkeit, dass Tierarzneimittel mit betäubender Wirkung (Narkosemittel) künftig von Laien im Rahmen der Ferkelkastration angewendet werden dürfen.

Folgende Gründe sprechen aus Sicht der tierärztlichen Verbände gegen eine solche Freigabe:

• Die Durchführung einer sachgerechten Narkose erfordert umfassende Kenntnisse der physiologischen Funktionen, die durch den Einsatz der entsprechenden Narkosemittel beeinträchtigt werden. Nur der Tierarzt ist durch seine wissenschaftliche Ausbildung in der Lage dazu, die Narkosetauglichkeit sachverständig zu prüfen.
• Eine Narkose stellt einen komplexen Eingriff in das zentrale Nervensystem eines Tieres dar. Die Narkoserisiken können unter Umständen lebensbedrohlich sein (Tierschutz!). Die Anwendung entsprechender Mittel darf deshalb nicht Laien überlassen werden.
• Narkosemittel müssen naturgemäß besonders strengen Anwendungsbestimmungen unterliegen, da von Ihnen erhebliche Gesundheitsbeeinträchtigungen und Suchtgefahren für den Menschen ausgehen (z.B. durch Ketamin, das als Designerdroge missbraucht wird).
• Da die erforderlichen Abgabemenge zur Durchführung der Ferkelkastration durch den Landwirt nicht exakt zu beziffern ist, ist eine lückenlose Überwachung des Verbleibs der Narkosemittel nicht möglich. Es besteht das Risiko von Restmengen, deren Verwendung nicht kontrolliert werden kann.

Aus diesen gesundheits- und tierschutzpolitischen Gründen fordern die beiden tierärztlichen Verbände Bundestag und Bundesrat auf, dem vorliegenden Gesetzentwurf allenfalls unter der Maßgabe zuzustimmen, dass Narkosemittel im Rahmen der Durchführung einer Ferkel-
kastration auch zukünftig nur durch den Tierarzt angewendet werden dürfen. Zumal die Regelung erst ab 2019 greifen soll, halten wir eine vorschnelle Freigabe zum jetzigen Zeitpunkt für wenig sachgerecht und völlig überflüssig.

Frankfurt am Main/ Lichtenfels, den 12. Dezember 2012

Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.
Kronacher Straße 28, 96215 Lichtenfels, www.amtstierarzt.de

Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.
Hahnstraße 70, 60528 Frankfurt am Main, www.tieraerzteverband.de