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Ein Interview mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e.V., Herr Dr. Stöppler:

1. Seit wann besteht der BbT, wer war der Initiator zu dessen Gründung?

Der Bundesverband der beamteten Tierärzte, Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst besteht nunmehr seit über 50 Jahren. In den Aufbaujahren nach dem Krieg suchten auch die beamteten Tierärzte einen festeren Zusammenhalt. In einigen Bundesländern gab es schon entsprechende Vereinigungen, und an Kontakten untereinander mangelte es nicht. Die damaligen Dienststellen hatten nicht die geringste Ähnlichkeit mit den meist kommunalen Veterinärämtern der heutigen Zeit. Es waren Ein-Mann-Behörden. Das Büro, nicht viel mehr als nur ein Dienstzimmer, befand sich in der Regel im Hause des Kreistierarztes, dem vielleicht noch eine Schreibkraft stundenweise zur Verfügung stand. Die Hauptaufgaben lagen im Bereich der Tierseuchenbekämpfung, und die Sanierung der Rinderbestände von Tuberkulose und Brucellose sowie die Überwachung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung, der „Fleischbeschau“, standen im Vordergrund der Tätigkeit. Im Tierschutz und in der Lebensmittelüberwachung fungierten die beamteten Tierärzte als Sachverständige der zuständigen Behörden, denen allein der Vollzug der erforderlichen Maßnahmen oblag.


Am 26. März 1953 fand in Remagen eine vom Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten veranstaltete Tagung der beamteten Tierärzte aus allen Bundesländern statt. Am Rande dieser Veranstaltung beschlossen die damals bereits bestehenden Ländervereinigungen die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der beamteten Tierärzte des gesamten Bundesgebietes und bestimmten Bernkastel-Kues als vorläufigen Sitz der Geschäftsstelle. Der vorläufig bestellte Vorstand bestand aus den Vorsitzenden der Ländervereinigungen, die vorläufige Geschäftsführung lag in den Händen von Reg.Vet.Rat Dr. Terbrüggen, Bernkastel-Kues. Gründungsmitglieder waren die in den Ländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bestehenden amtstierärztlichen Vereine.

In der Deutschen Tierärzteschaft (heute Bundestierärztekammer, BTK) war die Arbeitsgemeinschaft mit zwei Delegierten vertreten. Zwanzig Jahre später wurde die Arbeitsgemeinschaft  auf einstimmigen Beschluss in „Bundesverband der beamteten Tierärzte“ umbenannt. Im Jahr 1981 wurde Dr. Herbert Wohn zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er hatte das Amt 22 Jahre inne. Mit der Zeit wurden weitere Landesverbände gegründet und in den Bundesverband aufgenommen. Ein besonderer Schritt war die Wiedevereinigung Deutschlands und die Aufnahme der in den neuen Bundesländern gegründeten amtstierärztlichen Verbände.

 

Mit den stetig anwachsenden Aufgaben des Verbandes wurde eine entsprechende Verteilung in der Spitze des Verbandes vorgenommen. Es erschien nötig, dass bis zu fünf Vizepräsidenten mit festgelegten Arbeitsgebieten, einschließlich der Kassenführung, den derzeitigen Präsidenten unterstützen sollten. Diese Aufgabenverteilung war erforderlich, da der Verband stets nur von ehrenamtlichen Kräften geführt worden ist, die ihre berufspolitische Tätigkeit neben ihrem Dienst ausübten und ausüben.

 

Die eng verflochtenen Aufgaben der Tierärzte in den Untersuchungsanstalten und derer in den Veterinärämtern der Kreise und Städte führten seit längerer Zeit zu einer engen  Zusammenarbeit zwischen der Vereinigung der Institutstierärzte der Bundesrepublik Deutschland e. V. (BVI) und dem Bbt Durch Beschluss des BbT-Vorstands vom 04.11. und der BVI-Delegiertenversammlung vom 05.11.2001 wurde aus dieser Zusammenarbeit eine Integration des BVI mit dem BbT, bei der Letzterer Rechtsnachfolger des BVI wurde. Ein ähnlich enger Kontakt besteht seit Jahren zur Gemeinschaft der Sanitätsoffiziere Veterinär der Bundeswehr.


2. Welches sind die Hauptziele der Arbeit des BbT? Wer kann Mitglied im BbT werden und welche Rechte und Pflichten haben die Mitglieder?


Der BbT ist die Berufsvertretung der beamteten und hauptberuflich angestellten Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst in der Bundesrepublik Deutschland. Mitglieder sind die Ländervereinigungen in den 16 Bundesländern. Die Mitglieder der BbT - Landesverbände sind dort eingetragen. Sie nehmen über ihre Ländervorsitzenden an der Verbandspolitik des Bundesverbandes teil. Als Mitglied eines Landesverbandes können sie die Veranstaltungen ihres Bundesverbandes vergünstigt nutzen


Hauptziele des Verbandes sind:
►Vertretung der berufspolitischen Belange der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst gegenüber Gesetzgeber, Behörden, Arbeitgebern, Verbänden und der Öffentlichkeit.
►Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen und Berufsorganisationen mit gleicher oder ähnlicher Aufgabenstellung im In- und Ausland.
►Pflege und Vertiefung des berufsständigen Handelns und der Kollegialität.
►Austausch neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen im Rahmen von Seminaren, Kongressen und Studienfahrten.
►Beratung der Recht setzenden Körperschaften des Bundes und der Länder sowie von Behörden, Organisationen und privaten Institutionen in allen fachlichen und beruflichen Fragen.
►Gutachtertätigkeit auf Wunsch von Behörden und  Benennung von Sachverständigen.

3. Wie viele Mitglieder hat der BbT? Wie wird die Vereinsarbeit geführt und organisiert? (Bundesebene, Landesebene). Gibt es innerhalb des BbT noch einzelne Fachgruppen, je nach Interessenschwerpunkt (ähnlich wie z.B. bei der DVG?)?

Die Mitgliederzahl bewegt sich derzeit um 1700 - 1800 Eintragungen. Der Vorstand besteht derzeit aus dem Präsidenten und vier Vizepräsidenten. Die Versammlung der Ländervorsitzenden bildet den erweiterten Vorstand, der den Präsidenten aus seiner Mitte wählt. Neben der Mitwirkung in der BTK als Beobachterorganisation ist der BbT auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft höherer Dienst (AhD) in welchem ähnliche Vereinigungen anderer Berufsgruppen mitwirken. Auch im Deutschen Beamtenbund (DBB) sind wir vertreten.


4. Gibt es einen Mitgliedsbeitrag, und wenn ja, wie hoch ist der und wie erfolgt die Zahlung?


Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit  15 € pro Jahr, er wird durch die Landesverbände erhoben und an den Bundesverband weitergeleitet.

5. Ist der BbT auch Mitglied in irgendwelchen Welt-Tierärztevereinigungen? Oder sind Sie dort gemeinsam mit anderen deutschen Tierärztevereinigungen vertreten?


Seit Gründung der European Association of State Veterinary Officers (E. A. S. V. O.) im Jahre 1980 als Gruppe innerhalb der Federation of Veterinarians in the EC (F.V.E.) war der Bundesverband in dieser Vereinigung vertreten. Sein Präsident Wohn war von 1988 bis 1991 Vorsitzender dieser europäischen Amtstierärztevereinigung. Derzeit nimmt diesen Vorsitz Frau Dr. Rossi-Broy aus unserem Vorstand wahr. Darüber hinaus haben wir zwei Sitze als Beobachter in der Bundestierärztekammer (BTK) und der Präsident arbeitet als Ressortverantwortlicher für gesundheitlichen Verbraucherschutz und öffentliches Veterinärwesen im Präsidium der BTK mit. Weiterhin wird derzeit das Ressort Europaangelegenheiten im BTK-Präsidium von Frau Dr. C. Rossi-Broy betreut.


6. Welche Vereinsform haben wir, wie unterstützen wir die Mitglieder?

Der BbT firmiert nicht als gemeinnützig. Der Verein ist im Vereinsregister beim Amtsgericht Lichtenfels eingetragen.

Wir Unterstützen unsere Mitglieder bei überregionalen Meinungsbildungsprozessen. Durch Kontakte mit verschiedenen Politikern Ministerien und Verwaltungsebenen versuchen wir unsere Standpunkte als gemeinsame an der Sache orientierten Ziele darzustellen.


7. Wie festigt der Verein seine Existenz und welche Veranstaltungen werden organisiert. Gibt es auch eine Vereinszeitung?

Wir organisieren regelmäßige, jährlich stattfindende Kongresse mit internationaler Beteiligung sowie ein zusätzliches Seminar anlässlich des Kongresses, das auf Probleme des internationalen Tier- und Warenverkehr ausgerichtet ist (sog. „Grenzseminar“). Auch organisieren wir derzeit jährlich ein Tages-Seminar an einem zentralen Ort zusammen mit dem Zentrum für Veterinary Public Health der Universität Leipzig In einer Zeitschrift unseres Verbandes „Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle“, die pro Quartal erscheint, veröffentlichen wir Fachartikel aus unserem Aufgabenbereich. Ein besonderes Vereinsorgan haben wir nicht. Es besteht jedoch eine Option zur Veröffentlichung im „Deutschen Tierärzteblatt“, der monatlichen Mitgliedszeitschrift der BTK.