Rund ein Fünftel aller Schweine in Deutschland erreicht den Schlachthof nicht. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Hochgerechnet sind das mehr als 13 Millionen Tiere, die die Mast nicht überleben. Statt im Schlachthof landen sie in Tierkörperbeseitigungsanlagen.

Gequält oder fehlgetötet - auch in Mecklenburg-Vorpommern (MV)?
Nach aktuellen Recherchen der ARD-Sendung Report Mainz haben Tierärzte in einigen Anlagen Kadaver untersucht. Sie belegen, dass Tiere gequält oder unsachgemäß getötet wurden. Solche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz passieren auch bei uns im Land, ist Holger Vogel, Vorsitzender des Landesverbandes der Tierärzte im öffentlichen Dienst, überzeugt.

Tierkörperbeseitigung statt Schlachthof
......Zu krank für den Schlachthof, dann landen die Tiere in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin.
Täglich landen in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin verendete Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen oder Pferde. Guntram Wagner, Veterinäramtsleiter im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, geht davon aus, dass Tiere darunter sind, die vor ihrem Tod gequält wurden. Denn er kennt Ergebnisse tierärztlicher Untersuchungen aus anderen Anlagen. Was Wagner aber am meisten erschreckt, ist die große Zahl. Über 60 Prozent der Tiere werden nicht sachgerecht getötet.

"Wir müssen nicht Tierquäler schützen"
Auf Initiative der Veterinäre wurden 2016 in Malchin zwei Wochen lang Kadaver untersucht. Dabei fanden die Veterinäre bei fast sechs Prozent der verendeten Tiere Auffälligkeiten. Auch der Bauernverband befürwortet diese Untersuchungen. Im Gegensatz zum Landwirtschaftsministerium sieht Amtstierarzt Wagner durchaus Möglichkeiten, genauer hinzusehen. "Ich wünschte mir ein bisschen mehr Mut. Wir müssen nicht Tierquäler schützen." Wenn verendete Tiere beim Abholen mit einer Marke versehen würden, dann könnten Halter bei Verstößen zur Verantwortung gezogen werden.

Bauernverband: Sachliche Gespräche fortsetzen
Bauerverbandspräsident Detlef Kurreck rief Tierhalter dazu auf, Gesetze und ethische Normen einzuhalten. In der Diskussion um Untersuchungen von Tierkadavern in der Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin unterstütze der Verband die Initiative von Tierärzten für regelmäßige Kontrollen und eine Kennzeichnung der toten Tiere. So könnten bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz die Halter ermittelt werden. "Wir haben verabredet, dass wir das Thema sachlich mit den Fachleuten diskutieren. Diese Diskussion ist noch nicht zu Ende. Es ist aber schon aufgezeigt worden, was gemacht werden müsste", sagte Kurreck NDR 1 Radio MV.


Tierquälerei: Schweine und Rinder für den Müll
Landen auch in Mecklenburg-Vorpommern Tausende Schweine und Rinder auf dem Müll? Report Mainz hat darüber berichtet, dass ein Fünftel der Schweine aus deutschen Tierställen die Mast nicht überleben. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover belegt tierschutzrechtliche Verstöße. Viele Tiere haben sich vor ihrem Tod lange gequält. Auch aus MV gibt es Stichproben, die auf Gleiches gestoßen sind. Deshalb haben Veterinäre bereits vor zwei Jahren von Landwirtschaftsminister Backhaus gefordert, dass die angelieferten Tierkadaver in MVs einziger Tierkörperbeseitigungsanlage in Malchin stichprobenartig untersucht werden, um schwarze Schafe zu finden. Minister Backhaus lehnte dies jedoch ab.

Quelle: NDR, Nordmagazin, Mittwoch, 04. April 2018, 19:30 bis 20:00 Uhr

Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover sorgt für Aufsehen in der Landwirtschaft. Sie zeigt erstmals, in welchem Ausmaß, es in der Schweinehaltung Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gibt. Elisabeth große Beilage, Veterinärwissenschaftlerin in Hannover, untersuchte im Frühjahr gemeinsam mit Kollegen Hunderte toter Schweine, die wegen Krankheit nicht in den Schlachthof, sondern bereits getötet zur Entsorgung in die Tierkörperbeseitigung gebracht worden waren. Laut dieser Studie werden deutschlandweit jeden Tag rund 1.200 Schweine in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt, die zu Lebzeiten unter länger anhaltenden und erheblichen Schmerzen gelitten haben müssen. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtet.

Auch Mängel bei der Tötung festgestellt
Die für die Studie untersuchten toten Tiere stammten aus sechs Bundesländern. 13 Prozent der Mast- und 12 Prozent der Zuchtschweine wiesen der Wissenschaftlerin zufolge Hinweise auf, die auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz hindeuteten. Daneben seien auch erhebliche Mängel bei der Betäubung und Tötung der Tiere festgestellt worden. Laut NOZ-Bericht sollen die Schweine mit einen Bolzenschuss oder einen Schlag auf den Kopf betäubt worden sein, der gesetzlich vorgeschriebene Entblutungsstich, bei dem das Tier anschließend verblutet, aber wurde nicht getätigt.

Mehr als nur Einzelfälle: Die Studie der Wissenschaftlerin große Beilage zeigt, dass kranke oder verletzte Tiere zum Beispiel nicht angemessen versorgt werden. Das gehe mit Blick auf die Anzahl solcher Tiere sehr deutlich über das Maß gelegentlicher Einzelfälle hinaus, erklärte die Professorin NDR 1 Niedersachsen. An den Ergebnissen der Studie gebe es nichts zu beschönigen, so Thorsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands mit Sitz in Damme (Landkreis Vechta). Besonders die Defizite bei der Nottötung im schweren Krankheitsfall wolle man nun mit kurzfristigen Schulungen für Bauern und Tierärzte angehen.

"Das gehört sofort geändert": Den nicht fachgerechten Umgang mit kranken Schweinen verurteilt auch das Landvolk des Landkreises Cloppenburg. Das gehöre "sofort geändert", sagte der Vorsitzende Hubertus Berges. Er verwies darauf, dass die Landwirte regelmäßig geschult würden, wie sie mit kranken und verletzten Tieren umgehen müssten. Viele Berufskollegen seien auch bereit, sich den Problemen zu stellen. Die Region Südoldenburg mit den Kreisen Cloppenburg und Vechta zählt als Hochburg der Schweinehaltung in Deutschland.

Quelle: NDR 1, Niedersachsen, Aktuell, 16.11.2017, 14:00 Uhr

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2018 NDR - Die Leiden der Nutztiere - Kontrollen in Tierkörperbeseitigungsanlagen gefordert Neu
Erstelldatum: 06.04.2018
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Quelle: NDR, Nordmagazin, Mittwoch, 04. April 2018, 19:30 bis 20:00 Uhr

Interview mit Dr.Holger Vogel und anderen

 

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