Grußwort des BbT Präsidenten anlässlich der Jahrestagung des Landesverbandes der Amtstierärztinnen und Amtstierärzte Hessen e.V. am 15.11.2017 in Grünberg

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Landesverbandsvorsitzende Maria Dolderer-Litmeyer,

gern überbringe ich Ihnen die besten Grüße des Bundesverbandsvorstandes. Wir wissen sehr wohl, dass die notwendige Basisarbeit in den Landesverbänden geleistet wird.
Die Landesverbände sind in jedem Bundesland aufgestellt und können jedes Mitglied, aber auch die Nichtmitglieder in der Amtstierärzteschaft erreichen.
Diese ehrenamtliche Arbeit ist m.E. oft nicht so wertgeschätzt.

Aber: Was können wir tun?
Alle reden immer von Netzwerkbildung.
Wir haben eines, nur kommt es darauf an es zu leben.

Die Landesverbände geben Plattform für Fortbildung, für Rechtsschutz, Erfahrungsaustausch auch jenseits von Hierarchieebenen. Sie geben ein Zusammengehörigkeitsgefühl in Zeiten der Aggressionen gegenüber Amtstierärztinnen und Amtstierärzten, mangelhafter Ressourcen an Mitteln, Kräften, umsetzbaren Rechtsvorgaben und einem Übermaß an Forderungen aus Teilen der Gesellschaft. Stellvertretend nenne ich NGO, Tierschutzorganisationen, sensationsaffine Medien und Politikvertreter mit extremen Forderungen aber auch scheinbar immer stärker und größer werdende Menschengruppen die sich in unserer Gesellschaft abgrenzen.
Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt wird, was uns Amtstierärzte betrifft, die Verwaltbarkeit und dies bedeutet die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung in unserem Land schwieriger werden.
Lücken im staatlichen Gewaltmonopol gibt es schon und damit meine ich nicht nur die „ Rote Flora“ in Hamburg und die „Rigaer Straße“ in Berlin. Jeder von uns kennt die Situation der ohnmächtigen Staatsmacht,
der Hürden der Rechtstaatlichkeit und der Ressourcen.
Wer stellt sich in den Dienst unserer berufsständischen Gemeinschaft?
Wer gibt Arbeits- und Lebenszeit zu eigenem Ungunsten und seiner Familie ab?
Auch hier gilt: „Viele fleißige Hände machen der Arbeit ein schnelles Ende.“ Deshalb brauchen die Verbandsfunktionäre nicht nur passive Zustimmung sondern Mithelfer. Diese dürfen ruhig kritisch in der Sache sein solange die Ziele nicht aus dem Auge verloren werden und Lebenszeitressourcen nicht verschwendet werden. Diskussionen nicht um ihrer selbst willen geführt werden.
Verbandsarbeit ist auch nicht Erfüllungsgehilfe für strukturelle, personelle Defizite von Ministerien und Fachaufsichtsorganen sondern eher deren lösungsorientierter Gesprächspartner.
Manchmal gibt es leider keine Lösung- dann muss sich die Tierärztin, der Tierarzt mit einer Suspension behelfen.
Wo liegen unsere aktuellen Schwerpunkte?
Abgleich von Konsens und Abgrenzung mit den Lebensmittelkontrolleuren und den Lebensmittelchemikern.
Mit ersteren scheint ein Konsens ergebnisoffen zu sein. Die Signale auf dem Bundeskongress der Lebensmittelkontrolleure waren vielversprechend.
Hier sollte gelten jeder möge sich durch eigene Leistung und nicht auf Kosten der anderen Berufsgruppe profilieren, denn Arbeit ist für alle genug da.
Auch die Zusammenarbeit mit den Lebensmittelchemikern hat sich mehr als bewährt.
Die Forderung seitens des Bundesverbandes der Lebensmittelchemiker nach 400 Planstellen in der Überwachung, quasi in jeder Kreisverwaltung ohne jede Fallzahlenanalyse lässt schon Fragen der Sachlichkeit offen.
Zur Personalausstattung der Veterinärämter hat der BbT eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Denn es gibt doch eine ganze Reihe von Defiziten der täglichen Arbeit, welche gefühlt von einer Unterbesetzung herrühren.
Mit Gefühlen ist es immer so eine Sache! Deshalb muss hier gewissenhaft aufgearbeitet werden. Dr. Rudolf Schneider steht mit seiner BbT- Arbeitsgruppe dafür ein.
In puncto Tierschutz möchte ich auf das Positionspapier der Bundestierärztekammer verweisen.
Eine m.E. überfällige Positionierung zur Situation in der Nutztierhaltung ist damit erfolgt.
Es gab heftigste Diskussionen um die Inhalte unter der Kollegenschaft. Das Papier ist ein Kompromisstext.
Aber die Tierärzteschaft bezieht sicht- und hörbar Stellung für ein mehr an Tierschutz.
Denn es geht nicht um totes Rohmaterial und billige Rohstoffverfügbarkeit sondern um Mitgeschöpfe, welche jedes für sich nur ein einziges Leben besitzt.
Dieser Tatsache muss bei allem gerechtfertigten Nutzungsanspruch durch den Menschen Rechnung getragen werden.
Dass dieses Ziel noch viel Arbeit bedeutet werden wir heute noch im Vortrag von Frau Prof. große Beilage hören. Hören wir doch eine Ist-Zustandsbeschreibung von tierschutzrelevanten Befunden in VTN-Betrieben, bei der wir als Tierärzte beschämt sein müssen. Denn wir stehen hier in Verantwortung, ob als praktizierender- oder als Amtstierarzt.
Das Erkennen von Problemen, wenn auch spät, geht dem Abstellen voraus.
Dabei wird es Gegenwind aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft geben. Aber es steht unsere berufsständische Glaubwürdigkeit auf dem Prüfstand. Wichtig ist mir dabei unsere Plattformen zu nutzen. Deshalb sind wir hier und heute zusammen.

Herzlichst
Ihr Holger Vogel

Mitglieder können nach erfolgter Anmeldung den Beitrag kommentieren.

Joomla templates by a4joomla