Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

es kommt nach meiner Erinnerung nicht so häufig vor, dass ein Vertreter des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte ein Grußwort vor dem größten tierärztlichen Berufsverbandes hält. Für meinen Verband und für mich persönlich ist das eine besondere Ehre. Insofern bedanke ich mich an dieser Stelle bei Dir, lieber Siegfried Moder, für die Einladung dazu. Es scheint sich also in der Beziehung zwischen unseren Verbänden in letzter Zeit etwas entwickelt zu haben.
Lassen Sie mich zunächst einer gewissen Sorge Ausdruck verleihen, was die Wahrnehmung des tierärztlichen Berufsstandes durch Entscheidungsträger, insbesondere die politischen, angeht.
Wir alle stehen hinter unserem Beruf, egal in welcher Form wir ihn ausüben. Wir halten ihn auch für besonders wichtig, auch und besonders für die Allgemeinheit, also die deutsche Bevölkerung. Es wird oft beklagt, dass unser Berufsstand nicht die

gesellschaftliche Wertschätzung erfährt, die er unserer Meinung nach verdient. Manche schauen neidvoll auf den Berufsstand der Humanmediziner. Deren Wahrnehmung hat sicher mit der potenziellen persönlichen Betroffenheit in der Gesellschaft zu tun, denn jeder kann mal erkranken.
Das große Spektrum der Möglichkeiten der tierärztlichen Berufsausübung bei uns ist in gewisser Weise Fluch und Segen zugleich, denn sie schmälern im Ergebnis auch die Chancen der Werbung für die nötige gesellschaftliche Akzeptanz. Deshalb sollten alle tierärztlichen Standesorganisationen an dem gemeinsamen Ziel arbeiten, hier das Maximum zu erreichen, ohne die Vielfalt zu beschneiden.
Wir vom BbT sehen einen Erfolg versprechenden Ansatz in der altbekannten Devise: Getrennt marschieren und gemeinsam schlagen.
Was soll das heißen? Ich meine damit, dass jeder Verband zunächst sein Profil überprüfen und ggf. schärfen, vor Allem aber intern und extern kommunizieren sollte. Dazu gehört auch, dass jeder Verband im Bereich seiner Kernkompetenz selbstverständlich auch die primäre Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit hat. Wir würden uns nicht anmaßen, uns öffentlich zu Belangen der tierärztlichen Praxis zu äußern. Andererseits erwarten wir aber auch, dass sich andere Organisationen nicht mit unseren prioritären Belangen profilieren. Es gibt bei aller Unterschiedlichkeit aber natürlich auch vieles, was uns verbindet, wo wir also gemeinsame Interessen haben. Zum Wohle des gesamten Berufsstandes sollten wir diese Schnittmengen intensiver ausloten und gemeinsame Strategien erarbeiten – und diese dann bitte auch konsequent umsetzen.
Es gibt ein Beispiel aus jüngster Zeit, wo das augenscheinlich zwischen unseren Verbänden gut funktioniert hat, nämlich die Diskussion um die TÄHAV-Novelle. Wir sind alle gespannt, wie die Regierungsbildung auf Bundesebene erfolgt und welche Konsequenzen sich daraus für das Projekt „TÄHAV“ ergeben. Die Äußerungen von meinem Minister Till Backhaus hierzu und aktuelle Verlautbarungen aus NRW lassen hoffen, dass die Verkündung der Verordnung vor der Evaluierung der 16. AMG-Novelle verhindert werden kann.
Ich möchte den Bogen aber über unsere Verbände hinaus spannen. Meiner Meinung nach sollten alle tierärztlichen Standesorganisationen über das beschriebene Modell nachdenken und dann auch mit allen anderen darüber sprechen. Leben und leben lassen sollte unsere gemeinsame Devise für das Verhältnis zwischen den Verbänden sein. Dazu gehört natürlich auch der respektvolle Umgang mit den jeweils „anderen“. Zwischen uns klappt das gut, was bestimmt auch mit der berühmten „Chemie“ zu tun hat, die offensichtlich passt. Aber das übergeordnete Ziel sollte oder muss sogar sein, vergleichbares für alle Verbände zu erreichen, um die größte Schlagkraft für den Berufsstand insgesamt zu erreichen. Einigkeit macht bekanntlich stark. Das heißt aber – wie ich schon sagte – nicht Einigkeit um jeden Preis, sondern, dort, wo tatsächliche gemeinsame Interessen bestehen.
Der nächste Prüfstein für die Umsetzung dieses Gedankens steht kurz bevor: Ich meine das gemeinsame Projekt der „tierärztlichen Plattform Tierschutz“, auf das sich die Organisationen bpt, BbT, TVT und BTK geeinigt haben. Vielleicht kommt noch die DVG dazu. Hier geht es darum, eine neue, in regelmäßigen Abständen stattfindende Seminar- und Diskussionsveranstaltung zum Tierschutz ins Leben zu rufen, bei denen die tierärztlichen Verbände die Themen setzten und die Diskussion moderieren. Einerseits wollen wir damit die besondere Rolle der Tierärzteschaft im Tierschutz verdeutlichen, wie sie sich aus der Berufsordnung und dem Ethik-Kodex ergibt. Andererseits wollen wir uns damit von Veranstaltungen unterscheiden, in denen ein Tierschutz postuliert wird, der zwischen Esoterik und ideologischer Selbstverwirklichung angesiedelt ist. Am 2.11., also in wenigen Tagen treffen sich die Verbände, um grundlegende Fragen zu dieser Plattform zu besprechen. Auch hier ist ein breiter Konsens gefragt, damit das Projekt in dem Sinne erfolgreich sein kann, dass auch von der Öffentlichkeit die Tierärzteschaft als Beschützer der Tiere wahrgenommen wird.
Über die verpflichtende tierärztliche Bestandsbetreuung und gleichfalls rechtlich zu untersetzende Kontrollfrequenzen im Tierschutz sollte gleich zu Beginn thematisiert werden.
Ganz persönlich kann ich sagen: Ich wünsche unserem BpT-Kongress einen guten Verlauf und viele gute Gespräche. Ich darf das sagen, denn ich selbst bin auch bpt-Mitglied seit über 20 Jahren.

Herzlichen Dank
Dr. Holger Vogel
Präsident des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e.V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

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