Sehr geehrte Lebensmittelkontrolleurinnen und Lebensmittelkontrolleure, liebe Frau Tittes,

herzlichen Dank für die Einladung zum Bundeskongress der Lebensmittelkontrolleure, der ich gern gefolgt bin.

Als ebenfalls Vorsitzender eines Bundesverbandes kann ich die Sorgen und Nöte im ehrenamtlichen Engagement, so wie Sie und die Verbandsvertreter ihres Bundesverbandes sie auszuhalten haben, gut verstehen.

Ich wünsche mir, dass Ihr Bundesverband weiterhin kraftvoll die Interessen seiner Mitglieder vertritt und vertreten kann. Dazu ist es gut, wenn nicht nur eine breite Unterstützung in Form von Zustimmung von der Mitgliederbasis kommt, sondern vielmehr auch aktive Mitarbeit geleistet wird.

Personalstärke, Aus-, Fort- und Weiterbildung, materielle Ausstattung, dies sind die Themen, bei denen der Verband eine Stimme gegenüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft verleihen kann.
Als Vertreter des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte kann ich Ihnen die Unterstützung meines Verbandes zusichern. Denn wir haben ein gemeinsames Feld zu bestellen und sind gut beraten, die jeweiligen Stärken dafür einzusetzen.

Aus meiner Sicht gibt es keine Konkurrenzsituation zwischen unseren Berufsbildern, und wenn sie herbeigereimt werden, so sollten wir uns dem entgegenstellen mit dem Argument: Jeder möge sich durch die eigene Leistung profilieren und nicht auf Kosten des Anderen.

Als Amtsleiter eines Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes habe ich persönlich nur gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit von Tierärzten und Lebensmittelkontrolleuren gemacht. Es ist nicht hoch genug zu schätzen, unter welch schweren Arbeitsbedingungen sie arbeiten. Und damit meine ich nicht nur die physische Arbeitsbelastung in punkto Anzahl der Betriebe, sondern viel mehr die ständigen Konfliktsituationen mit schwieriger Klientel. Da begegnet Ihnen ein Mangel an lebensmittelhygienischen Kenntnissen im Imbiss- und Gastronomiebereich; allgemeiner Mangel an lebensmittelhygienischen Grundkenntnissen, sprachliche Probleme, kulturelle Unterschiede; schwer lesbare Rechtssetzungen mit daraus resultierenden Schwierigkeiten in der Rechtsumsetzung sowie der Anspruch an die eigene Arbeit, reglementiert durch QM-Systeme, welche immer zur Verselbständigung neigen.

Mein diesbezüglicher Wunsch, der nicht nur für Ihren, sondern auch für meinen Verband gilt, ist, dass wir nicht in qualitätssichernde Selbstbeschäftigung verfallen, sondern die Arbeitszeit für die Basisarbeit einsetzen.

Von der Politik wäre analog zu anderen Gewerben zu fordern, dass auch im Lebensmittelgewerbe vor Aufnahme der Tätigkeit eine Ausbildung in einem Lebensmittelberuf erfolgen muss. Auch immer neue Rechtsvorgaben machen keinen Sinn, wenn die Justiz in Folge personeller Engpässe damit nicht umgehen kann. Irritierend wirkt zum Beispiel, wenn ein Magdeburger Gericht urteilt, dass das Betreten von Ställen (analog Lebensmittelbetrieben) durch NGOs keinen Hausfriedensbruch darstellt, wenn dies im öffentlichen Interesse erfolgt. Dies kommt einem Aufruf zur Selbstjustiz gleich.

Trotz alledem abschließend noch einmal mein Wunsch: Behalten Sie das Heft des Handelns fest in der Hand, auch durch aktive Mitarbeit im Verband. Nutzen Sie diese Tage nicht nur für Erkenntnisgewinn sondern auch für den notwendigen Informationsaustausch der Kollegen untereinander.

Ich wünsche Ihrem Kongress viel Erfolg!
Dr. Holger Vogel
Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

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