Vom 24. bis 26. April 2017 veranstaltete der Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) seinen mittlerweile 36. Internationalen Veterinärkongress mit Anschlussseminar im oberfränkischen Bad Staffelstein. Neben der fachbezogenen Fortbildung stand für die fast 700 Teilnehmer der Austausch zur zukünftigen Entwicklung des Berufsfeldes im Vordergrund. Die vielfältigen Vorträge von Fachexperten, Juristen, Demografen, Führungscoaches und Politikwissenschaftlern aus Deutschland und Österreich deckten aktuelle Probleme und Fachthemen des amtstierärztlichen Dienstes ab. Juristisch beleuchtet wurden darüber hinaus Fragen zu Haftung und Pflichten für Amtstierärzte, §40a LFGB und Vorschriften für den Export verarbeiteter tierischer Proteine.

BbT-Vorstand 2017: Dr. Christine Bothmann, Dr. Christian Cegla, DVM Toby Pintscher, Dr. Holger Vogel, Dr. Cornelia Rossi-Broy, Dr. Arno Piontkowski

Präsidium des BbT
(v.l.n.r): Dr. Christine Bothmann (Tierschutz), Dr. Christian Cegla (Finanzen), DVM Toby Pintscher (Lebensmittel), Dr. Holger Vogel (Präsident), Dr. Cornelia Rossi-Broy (Internationales), Dr. Arno Piontkowski (Tiergesundheit)

Bewährte Strukturen der integrierten Ämter stärken

Einmal mehr standen in Bad Staffelstein Personaldefizite und Strukturprobleme der öffentlichen Veterinärverwaltung im Fokus. Akute Tierseuchengeschehen, vermeintliche und echte Lebensmittelskandale und eine kontinuierliche Zunahme von Tierschutzproblemen belasten bei stark defizitärer Personalsituation in den Veterinär-und Lebensmittelauf- sichtsämtern die Amtstierärzte. Wie groß hier die persönliche Betroffenheit und die dadurch steigende Belastung für die Kollegen sind, wurde in den anschließenden Diskussionen deutlich.

In seinem Grußwort stellte Dr. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern den Teilnehmern die Bündelung der wesentlichen Bereiche des Veterinärwesens in klaren Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern vor und unterstrich damit die Auffassung des Bundesverbandes: „Nach unserer Ansicht ist es zwingend erforderlich, die bewährten Strukturen der integrierten Ämter in den unteren Verwaltungsbehörden zu stärken“ betont BbT-Präsident Dr. Holger Vogel. Der Bundesverband der beamteten Tierärzte hat mit seinen angeschlossenen Landesverbänden zu diesem Themenkomplex ein umfangreiches Projekt zur Personalbedarfsermittlung initiiert.
Dr. Klaus Schulenburg, Referent u. a. für Gesundheit und Veterinärwesen beim Bayerischen Landkreistag, umriss in seinem Vortrag, dass es Aufgabe einer kontinuierlichen Verwaltungspolitik sei, die Personal- und Sachausstattung von Vollzugseinheiten permanent zu überprüfen und gegebenenfalls an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Dies werde jedoch von der Politik nicht konsequent verfolgt, so dass Defizite in der Leistungsfähigkeit der Veterinärbehörden nicht nur in besonderen Krisensituationen deutlich werden.

Amtstierärztlicher Dienst im Wandel

Demografischer Wandel, gesetzliche und ethische Anforderungen an Amtstierärzte, Führungskompetenzen, weiblicher Führungsstil und die zukünftige Entwicklung des amtstierärztlichen Dienstes waren die Themen des auf den Kongress folgenden Anschlussseminars. Unter dem Titel „Berufsbild Amtstierarzt im Spannungsfeld eigener Vorstellungen dienstlicher Anforderungen und gesellschaftlicher Erwartung - Umgang mit dem Wandel der Zeit“ wurde ein weiter Bogen an berufs- und standespolitischen Themenfeldern gespannt und intensiv diskutiert. Das Interesse der Teilnehmer war entsprechend groß.
Das Impulsreferat zur Podiumsdiskussion hielt die gerade approbierte Tierärztin Jessica Koser. Vor dem Hintergrund eigener Umfragen demonstrierte sie die daraus ableitbaren Erwartungen von Veterinärmedizinstudentinnen und -studenten an die Berufsausübung im öffentlichen Veterinärwesen. Fakt ist: Die junge Tierärzte-Generation wird mit anderen, ganz neuen Vorstellungen und Anforderungen an die Art und Weise der Aufgabenwahrnehmung und Aufgabenerfüllung in den amtstierärztlichen Dienst eintreten. So werden veränderte Angebote zu Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung eingefordert und die „Work-Life-Balance“ wird einen hohen Stellenwert haben.
Zusammengestellt wurde das Programm des Anschlussseminars von Dr. Cornelia Rossi-Broy, der Vizepräsidentin des BbT. Die erfahrene Leiterin und Moderatorin des Seminars fasste auch dessen Ergebnisse zusammen. „Hier war es uns wichtig, einen Ausblick zu geben auf die Herausforderungen und Aufgaben, denen sich Universitäten, öffentliche Verwaltungen, die heutigen und die zukünftigen Amtstierärzte und natürlich auch unser Bundesverband zukünftig stellen müssen“, resümiert die berliner Amtstierärztin.

Dr. Sabine Lünser
AG Mediale Präsentation

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