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Die Fachgruppe "Fleisch" des BbT hat zu der geplanten „Revision der Geflügelfleischuntersuchung“ gegenüber dem BMELV folgende Stellungnahme abgegeben. Die Stellungnahme bezieht sich auf das mit Schreiben vom 4. März 2013 übermittelten Sitzungsprotokoll der Kommissions-Arbeitsgruppe „Revision der Geflügelfleischuntersuchung“ (Anlage). 

Aus dem Protokoll lässt sich entnehmen, dass auf der o. a. Sitzung vor allem die Durchführung der Post-Mortem-Untersuchung bei der Geflügelschlachtung sowie die hohe Campylobacter-Prävalenz im Vordergrund standen.

Zum Themenkomplex „Post-Mortem-Untersuchung“ (PMI):

Die Fleischuntersuchung ist in der Verordnung (EG) Nr. 854/2004 geregelt. Hier sind allgemeine Kriterien für die Untersuchung zu finden in •Anhang I Abschnitt I Kapitel II Buchstabe D 

-Besichtigung äußere Oberflächen

-zusätzliche Untersuchungen, wie Durchtasten oder Anschneiden oder Labortests

-Ziel: u. a. Feststellung von Zoonosen 

und spezielle Anforderungen zu finden in •Anhang I Abschnitt IV Kapitel V Buchstabe B 

-Besichtigung der Leibeshöhlen und Eingeweide bei einer repräsentativen Stichprobe

-eingehende Untersuchung bei festgestellter oder absehbarer Genussuntauglichkeit 

Als Minimum für die Untersuchung von Schlachtkörpern unter 1,5 kg ist in § 9 der AVV LmH eine Zeit von 2,5 Sekunden festgeschrieben; über 1,5 kg eine „angemessene Zeit“. Sofern betriebliche Voraussetzungen erfüllt werden, kann diese Zeit unterschritten werden.

Es ist nicht verwunderlich, dass es bei derartigen Vorgaben bereits zu Defiziten in der Überwachung kommt. Defizite hat auch die KOM nach eigenen Angaben in fast allen Mitgliedstaaten festgestellt.

Die Forderung, die PMI unter diesen Gegebenheiten ganz zu streichen ist aus fachlicher Sicht strikt abzulehnen. Bei der Untersuchung von Schlachtgeflügel geht es in erster Linie um die Beurteilung der Gesundheit ganzer Partien. Die Betrachtung des Einzeltieres tritt in den Hintergrund. Bereits jetzt hat die PMI bei Geflügel den Charakter einer Stichprobenuntersuchung. Die Verantwortung des Lebensmittelunternehmers für die Genusstauglichkeit des Fleisches ist höher als bei der Schlachtung von Huftieren. Infolgedessen bekommt Geflügelfleisch auch keine Genusstauglichkeitskennzeichnung, sondern ein Identitätskennzeichen. 

Die PMI dient in einem größeren Umfang als beim „Rotfleisch“ auch zur Feststellung tierschutzrelevanter Befunde, die sich aus der Haltung, den Verlade- und Transportbedingungen sowie dem Umgang mit den Tieren im Schlachtbetrieb ergeben. Als Beispiele seien Bein- und Flügelbrüche, aber auch „Kaltschlachtungen“ erstickter Tiere genannt. Der Verlust dieser Informationen über das Tierwohl bei Wegfall der PMI ist nicht akzeptabel.

Die Haltungs- und Schlachtbedingungen bei Geflügel aus industrieller Produktion waren wiederholt im Fokus der Medien. Eine Herabsetzung der sowieso schon relativ niedrigen Untersuchungsstandards ist dem Verbraucherschutz nicht dienlich und dürfte dem Verbraucher kaum zu vermitteln sein.

Zum Themenkomplex „Campylobacter“:

Die Anstrengungen zur Reduktion der Campylobacter-Prävalenz sind zu begrüßen. Angesichts der Tatsache, dass Geflügelfleisch im Allgemeinen erhitzt verzehrt wird, sollte hinsichtlich der mikrobiologischen Eigenkontrollen wie bei den Salmonellen verfahren werden. Prozesshygienekriterien sollten für Schlachtkörper und Lebensmittelsicherheitskriterien für zerlegtes Fleisch bzw. Erzeugnisse festgelegt werden.

Für die Fachgruppe: Dr. Wolfgang Kulow