30.10.2006 – Pressemeldung 4/06: Amtstierärzte fordern Rückkehr zur Berechenbarkeit in der Tierseuchenbekämpfung

"Die Tierseuchenbekämpfung muss wieder bestimmt werden durch Sachlichkeit im Handeln und Berechenbarkeit in der Rechtsetzung“, sagte der Vizepräsident des Bundesverbandes beamteter Tierärzte, Dr. Arno Piontkowski angesichts eines Seminars in Fulda für Amtstierärztinnen und Amtstierärzte aus ganz Deutschland. Hintergrund dieser Forderung ist der Aktionismus der EU-Kommission in Brüssel, den diese bei dem verhältnismäßig kleinen Schweinepest-Seuchenzug in NRW in diesem Frühjahr an den Tag gelegt hat. „Die Tötung aller Schweine in den beiden Sperrbezirken im Kreis Borken war sachlich nicht gerechtfertigt“, so Piontkowski weiter. Auf diese Weise wurden ca. 80.000 gesunde Schweine vernichtet. Außerdem beklagen die Amtstierärzte die ständigen Änderungen der Rechtslage während des Seuchenzuges, z. T. Im Wochenrhythmus. Dies sei den Betroffenen nicht mehr zu vermittelngewesen. In Fulda treffen sich am 14.11. Amtstierärztinnen und Amtstierärzte zur „Manöverkritik“. Über die Erfahrungen aus den Schweinepestfällen in NRW und den Ausbruch der Geflügelpest in Sachsen soll berichtet und diskutiert werden, um Anregungen für die Seuchenbekämpfung in den eigenen Kreisen mit nach Hause zu nehmen. Auch wird die neu aufgetretene Blauzungenkrankheit und der Umgang mit dieser Tierseuche behandelt werden. Sind die Temperaturen während des Sommers und im Herbst lange genug über einem kritischen Wert, kommen Übertragungen der Blauzungenkrankheit in Frage. Das krankmachende Virus (BTV – Bluetongue-Virus) wird von einer Stechmückenart verbreitet, die vor allem am späten Abend, nachts und am frühen Morgen aktiv ist. Bei der Erkrankung kommt es u. a. zu Fieber, starker Rötung der Schleimhäute im Mund und Nasenbereich. Außerdem zeigen sich neben Schwellungen im Kopfbereich auch Klauenentzündungen. Der Verdacht ist unverzüglich zu melden und abzuklären. Eine Reihe anderer Krankheiten sind dem Erscheinungsbild der Blauzungenkrankheit sehr ähnlich (z. B. MKS, BVD/MD, Bösartiges Katarrhalfieber, Vesikuläre Stomatitis). Für die Bekämpfung kommen Insektizide in Frage, auch sollten die Rinder aufgestallt werden. Weitreichende Verbringungsverbote können der Verbreitung der Krankheit entgegenwirken. Von einer Tötung erkrankter Tiere wird derzeit von Experten ab geraten, weil dies zu keiner Verbesserung der Situation führen würde. Für den Menschen besteht keine Gefahr.

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