Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - Editorials

EDITORIAL 2/2017

„Jedes Gesetz soll klar, einheitlich und genau sein; es auslegen heißt fast immer, es zu verderben.“
Voltaire (1694 - 1778), Schriftsteller und Philosoph der europäischen Aufklärung

Da wünscht man sich doch den Anspruch der Aufklärung – durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernde Strukturen zu überwinden – ins Europa unserer Tage zurück. Aber wahrscheinlich besteht dieser Anspruch, man lese die Erwägungsgründe zu den Rechtsetzungen, um deren Intention zu erahnen, noch fort. Leider sind die Ansprüche das Eine und die Wirklichkeit das Andere.

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EDITORIAL 2/2017

„Jedes Gesetz soll klar, einheitlich und genau sein; es auslegen heißt fast immer, es zu verderben.“
Voltaire (1694 - 1778), Schriftsteller und Philosoph der europäischen Aufklärung

Da wünscht man sich doch den Anspruch der Aufklärung – durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernde Strukturen zu überwinden – ins Europa unserer Tage zurück. Aber wahrscheinlich besteht dieser Anspruch, man lese die Erwägungsgründe zu den Rechtsetzungen, um deren Intention zu erahnen, noch fort. Leider sind die Ansprüche das Eine und die Wirklichkeit das Andere.

Es zeichnet sich das Wirken der neuen EU-KontrollVerordnung 2017/ 625 am Horizont ab. Ihre Regelungen scheinen stark auslegungsbedürftig. Die Unsicherheit, welche sich aus den noch notwendigen Folgeregelungen ergibt, verstärkt die Furcht vor Verschlechterungen. Diese Furcht hilft uns aber nicht. Das Leben ist eben Veränderung. Panta rhei – alles fließt. Der typisch deutsche Pessimismus, der in uns wohnt, gehört endlich gebändigt. Denn bei der Betrachtung aller Baustellen und Aufgaben, Unwägbarkeiten, Hindernisse und Ärgernisse sollten wir den Weg der Desensibilisierung von der Furcht wählen und uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Damit stellt sich gleich die Frage nach dem Wesentlichen. Dem Essenziellen, dem Substanziellen, dem Kernstück, dem Grundgedanken, dem Entscheidenden, dem Notwendigen...

Ist es nicht der humorvolle Blick auf das eigene Tun? Die Lockerheit zum Lächeln finden – ohne die Ernsthaftigkeit bei der Aufgabenbewältigung aufzugeben. Natürlich braucht es daneben die materielle Sicherheit, aber die ist wohl für keinen von uns im Grundsatz in Gefahr. Wenn wir die Verkrampfung, die einzige Wahrheit vertreten zu wollen, hinter uns lassen und der Lebensbejahung mehr Raum geben, wird es uns gehen wie dem Kolikpatienten nach Metamizol-Gabe.

Apropos Lebensbejahung: Der 36. Internationale Veterinärkongress in Bad Staffelstein war erfolgreich. 700 Teilnehmer beurteilten (wie die Evaluierung zeigt) die Fachthemen und -vorträge als ansprechendes update. Das Anschlussseminar mit ca. 200 Teilnehmern war den gesellschaftlichen Veränderungen in ethischen Fragen, Führungsstilen sowie der Feminisierung des amtstierärztlichen Berufsstandes gewidmet. Dem BbT ging es dabei um Meinungsfindung unter den Teilnehmern, nicht um Vorgabe von Vortragsmeinungen zum Mitnehmen. Eine take home message war: der Berufsstand braucht mehr gute Führungskräfte aus den eigenen Reihen, mehr Verständnis für die Führungskräfte aus den eigenen Reihen.

„ Lasst uns arbeiten, ohne zu grübeln (i. S. ständigen ergebnislosen Nachdenkens). Das ist das einzige Mittel, das Leben erträglich zu machen.“ – um auf Voltaire zurück zu kommen. Nachdenken wird eine Arbeitsgruppe des BbT über Aufgabenkritik und Personalbedarf im amtstierärztlichen Dienst und die Ergebnisse übers Jahr in Bad Staffelstein vorstellen.

Herzlichst
Dr. Holger Vogel Präsident
Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

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