Der 39. Int. Veterinärkongress des Bundesverbandes der beamteten Tierärzte e.V. und das Anschlussseminar finden vom 19. bis 22.04.2020 statt.
Das Progrmm zu den Veranstaltungen finden sie hier:
39.BbT-Kongress 2020 / Ansschlussseminar 2020

Eine Anmeldung ist erst nach dem 01.01.2020 möglich.

 

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DUM HABEMUS TEMPUS, OPEREMUR BONUM!
„So lange noch Zeit ist, lasst uns Gutes tun!“

Franz v. Assisi (1182-1226)

Was hat der als Schutzpatron der Tierärzte geltende Franz von Assisi mit dieser recht kurzen Aussage gemeint? In der nun bevorstehenden Zeit im Advent, zwischen den Jahren und zum Jahresanfang - wenn hoffentlich bei Ihnen etwas Zeit zu einer inneren Ruhe führt – kann sich aus diesen fünf Worten durchaus eine Weltanschauung ableiten. Gutes tun für Tiere und Menschen, für die Schonung von Umwelt und Natur. Gutes tun für die Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn.
Da schließt sich die Frage an: „Was ist Gutes?“.
Diese Frage mag jeder im Einzelfall bedenken. Wertschätzung des Gegenübers sollte immer die Basis dabei sein. Egal, ob gegenüber ein Mensch oder Tier, die Umwelt oder Natur steht. Wir sind selbst von den Mitmenschen und Mitgeschöpfen abhängig, umso mehr sollte Maßhalten bei der Nutzung von dem, was uns gegeben wird, unsere Einstellung sein. Der erste Halbsatz schränkt die Möglichkeit „Gutes zu tun“ deutlich ein. Ich verstehe ihn so, dass die Zeit dafür schon da ist und nicht ewig währt!
Dass Franz von Assisi als erster die Tiere Ochs und Esel mit in das weihnachtliche Krippenspiel brachte, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Stellte er damit doch auch die Tiere als dazugehörig heraus. Auch sie haben nur diese eine Zeit, um gut behandelt zu werden!

Frohe Weihnachten und ein gesundes Neues Jahr 2020
Für Sie und Ihre Familien
Holger Vogel

Rinderhalter aufgepasst: BVDV-Verordnung tritt am 1.1.2011 in Kraft
(Pressemeldung MKULNV-NRW)
Was ist zu beachten?

Die Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Virusdiarrhoe-Virus (BVDV-Verordnung) war schon häufiger Thema in der landwirtschaftlichen Fachpresse. Aber nun wird es ernst: Die Verordnung tritt zum 1.1.2011 in Kraft.
Ziel der Verordnung ist es, dauerhaft mit dem BVD-Virus infizierte Rinder (persistente Virämiker) zu erkennen und auszumerzen, um eine Neuinfektion besonders tragender Rinder zu verhindern und die damit verbundenen Schäden zu vermeiden.

Warum muss auf BVDV untersucht werden?

Kernstück der Verordnung ist deshalb die generelle Untersuchungspflicht für ab dem 1.1.2011 geborene Tiere spätestens bis zum sechsten Lebensmonat und altersunabhängig für alle Rinder, die aus dem Bestand verbracht werden sollen. Kälber tragend zugekaufter Mütter sind unverzüglich nach der Geburt zu testen. Untersucht werden können die Tiere mittels Ohrgewebe- oder Blutproben. Ohrgewebeproben haben den Vorteil, dass sie an die amtliche Kennzeichnung der Tiere mit der zugeteilten Lebensohrmarke gekoppelt werden können, bei der allerdings mit einer Stanzvorrichtung versehene Ohrmarken verwendet werden müssen. Die Untersuchungsgeräte in den Staatlichen Veterinäruntersuchungsämtern sind auf die Stanzbehältnisse des in NRW  verwendeten Ohrmarkenfabrikats abgestimmt und lassen die eindeutige Zuordnung des Ergebnisses zu der Lebensohrmarke zu. Die bisherigen Ergebnisse belegen eine Virämikerquote von ca. 0,5 % der untersuchten Tiere; die Zahl der nicht untersuchungsfähigen Proben liegt unter 1 %. Für Betriebe, die den BVD-Leitlinien des Landes NRW beigetreten sind, werden die Mehrkosten für die Stanzohrmarke und die Untersuchungskosten von der Tierseuchenkasse übernommen; Betriebe, die den Leitlinien nicht beigetreten sind, können ab Mitte Januar solche amtlichen Ohrmarken mit Stanzvorrichtung beim LKV NRW erwerben, allerdings nur als „Paket“ einschließlich eines „Untersuchungsgutscheins“ (Preis liegt noch nicht endgültig fest; vermutlich ca. 4 € pro Tier).. Damit können dann bei der Kennzeichnung der Tiere mit den amtlichen Ohrmarken die Ohrgewebeproben durch den Landwirt entnommen und zur Untersuchung an eines der staatlichen Untersuchungsämter in NRW eingeschickt werden. Die Bearbeitung der Ohrgewebeproben bis zur Befundeinstellung in HIT dauert nach Eintreffen im Labor etwa 3-5 Tage. Alternativ kommt auch eine Untersuchung der Tiere mittels Blutprobe in Betracht, wobei diese durch den Tierarzt entnommen werden muss und die Untersuchungskosten deutlich über denjenigen für die Ohrstanze liegen. Für die Tiere, die bereits mit amtlichen Ohrmarken gekennzeichnet sind, aber nunmehr auf BVDV untersucht werden müssen, soll spätestens im zweiten Halbjahr 2011 über den LKV eine besondere Stanzohrmarke wiederum mit einem „Untersuchungsgutschein“ zur Verfügung stehen, wobei aber die Einziehung der Ohrmarke zur Nämlichkeitssicherung durch den Hoftierarzt zu erfolgen hat.
Die Untersuchungsämter geben unverzüglich nach Vorlage der Ergebnisses die Daten in HIT ein, so dass diese in kürzest möglicher Zeit für den Landwirt oder die Behörden zugänglich sind.
Persistente Virämiker sind möglichst kurzfristig (unverzüglich) auszumerzen. Die Leitlinien NRW sehen hierfür einen Zeitraum von 14 Tagen nach Bekanntgabe des Ergebnisses vor. Für den Zeitraum zwischen Feststellung des Ergebnisses im Untersuchungsamt und der Information des Landwirts wird eine weitere Woche zugestanden, so dass die Tötung solcher Virämiker spätestens nach drei Wochen erfolgt sein muss. Bei der Untersuchung mittels Ohrstanze genügt im Regelfall ein positives Ergebnis. Nur mit Einverständnis des Amtstierarztes – wenn etwa auffallend viele Kälber bei der Erstuntersuchung positiv reagiert haben – und entsprechender Nachuntersuchung zwischen dem 41. und 60. Tag nach der Erstuntersuchung kann sich der Zeitraum bis zur Tötung verlängern. Anderenfalls werden entsprechende Beihilfeanträge von der Tierseuchenkasse abgelehnt. Ausmerzungsbeihilfen kommen ohnehin nur für „Leitlinien-Betriebe“ infrage und auch nur für Kälber, die bis zum Jahresende 2010 geboren werden. Ob nach dem Inkrafttreten der BVDV-Verordnung Virämiker bereits nach dem ersten Virusnachweis ausgemerzt oder die zweiten Ergebnisse zur Feststellung der persistenten Infektion abgewartet werden, liegt im Ermessen der Rinderhalter. Die Kosten der Zweituntersuchung tragen allerdings alle Tierhalter selbst.

Was gilt für das Verbringen von Rindern aus einem Bestand oder das Einstellen in einen Bestand?
Grundsätzlich  dürfen nur nachweislich BVDV-unverdächtige Rinder, d.h. ein mit negativem Ergebnis untersuchtes oder über die negative Untersuchung eines eigenen Kalbes als solches einzustufendes Rind, zwischen Beständen, Märkten, Sammelstellen oder sonstigen Standorten, an denen Kontakt mit Rindern aus anderen Beständen besteht, „bewegt“ werden. Ausnahmen bestehen u. a. für das unmittelbare Verbringen zur Schlachtung oder in einen anderen Mitgliedstaat.  Im letzteren Fall kann auch eine zugelassene Sammelstelle zwischengeschaltet sein.
Besonders betroffen von diesen Regelungen dürfte der Handel mit Fressern aus Süddeutschland sein, die vermutlich noch nicht alle mit einer Stanzohrmarke gekennzeichnet wurden. Hierfür sieht die Verordnung übergangsweise Ausnahmen vor: Das für die Herkunft zuständige Veterinäramt kann eine Ausnahme von der Untersuchungspflicht für am 1.1.2011 sechs Monate alte Tiere gewähren, wenn alle Rinder im Empfangsbestand ausschließlich in Stallhaltung gemästet und unmittelbar zur Schlachtung abgegeben werden. Entsprechend dürfen solche Rinder mit einer Genehmigung des für den Zielort zuständigen Veterinäramtes in reine (End-)Mastbestände eingestellt werden. Wer von der Regelung Gebrauch machen will, tut also gut daran, sich rechtzeitig mit seinem Veterinäramt in Verbindung zu setzen. Die Übergangszeit endet zum 30.06.2011.
Bekanntlich sollte die jüngste Änderung der BVDV-Verordnung die Betriebe begünstigen, die in absehbarer Zeit den Status eines BVDV-unverdächtigen Bestandes erreichen. Diese sollten Kälber bis zu einem halben Jahr ohne Untersuchung auf BVDV an reine Mastbestände abgeben können. Hierzu hätte aber eine Ausnahme in dem die Untersuchung betreffenden Paragraphen vorgesehen werden müssen. Im Ergebnis läuft es darauf hinaus, dass auch diese Kälber untersucht werden müssen, aber zum Zeitpunkt des Verbringens noch kein negatives Untersuchungsergebnis vorzuliegen braucht.
Kompliziert wird der Kälberhandel zusätzlich dadurch, dass die Verordnung momentan keine Regelungen zum „Import“ von Rindern aus anderen Mitgliedstaaten treffen kann, da sie noch nicht notifiziert, d.h. von den anderen Mitgliedstaaten und der EU-Kommission anerkannt ist. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat deshalb eine Eilverordnung erlassen, die noch bis zum Jahresende in Kraft treten und bis zum Abschluss der Notifizierung  die Anwendbarkeit der BVDV-Verordnung eindeutig auf das Inland beschränken wird. Das Verbringen von Rindern aus anderen Mitgliedstaaten in den ersten deutschen Bestand richtet sich somit ausschließlich nach den allgemeinen Grundsätzen ohne Berücksichtigung des BVD-Status des einzelnen Tieres oder des Herkunftsbestandes im Ausland. Auf jedes weitere Verbringen findet dann die BVDV-Verordnung Anwendung.
 
Insgesamt ergeben sich dadurch folgende denkbaren Fallkonstellationen:

- Verbringen von  Mastkälbern aus (östlichen) Mitgliedstaaten auf zugelassene Sammelstellen: Kein Problem, wenn die „ausländischen“ und ggf.  inländischen Kälber unmittelbar von der Sammelstelle in einen anderen Mitgliedstaat (z.B. Niederlande) verbracht werden (Abgabe für diesen Zweck im Inland ohne BVD-Status möglich); sollen sie im Inland gemästet werden, dann Verbringen von „ausländischen“ Kälbern nur mit negativem BVD-Test ab Sammelstelle; Kälber aus deutschen Betrieben müssen hierfür grundsätzlich BVDV-unverdächtig sein.

- Verbringen von Kälbern aus anderen Mitgliedstaaten in hiesige reine Mastbestände: Kein Problem, wenn die Kälber aus diesem Bestand unmittelbar zur Schlachtung oder wieder in einen anderen Mitgliedstaat verbracht werden.

- Verbringen von Kälbern oder Fressern aus Mitgliedstaaten in hiesige Aufzuchtbetriebe: Ohne BVD-Status möglich – auch wieder unmittelbar zurück ; die Abgabe an Endmastbetriebe im Inland ist jedoch nur als BVDV-unverdächtiges Rind mit Nachweis zulässig (ggf. bereits vom Lieferanten den Status einfordern); Ausnahme bis 30.06.2011 mit Genehmigung möglich (s.o.).

- Verbringen von Zuchttieren aus Mitgliedstaaten: Ohne BVD-Status in den ersten Betrieb im Inland möglich. Weiterverkauf nur als BVDV-unverdächtiges Tier. Risiko, dass durch das zugekaufte Rind mit unbekanntem BVD-Status Virus in die Herde eingeschleppt wird und andere Tiere dann positiv reagieren. Erlangung des BVD-Bestandsstatus nicht möglich, da nur Rinder eingestellt werden dürfen, die zuvor negativ getestet wurden; keine Bestandsquarantäne zulässig;  Ausmerzungsrisiko liegt beim aufnehmenden Bestand; ggf. bereits vom ausländischen Lieferanten den Status einfordern.

- Unmittelbares Verbringen von inländischen Kälbern unter sechs Monaten aus BVDV-unverdächtigen Beständen in reine Endmastbestände (Stallmast): Ohne Einzeltierstatus möglich; amtliche Bescheinigung über Bestandsstatus nach Anlage 2 der Verordnung erforderlich.

- Unmittelbares Verbringen von inländischen Kälbern unter sechs Monaten aus nicht-BVDV-unverdächtigen Beständen in reine Endmastbestände (Stallmast): Ohne Einzeltierstatus möglich; Tier muss in dem Mastbestand unverzüglich nachuntersucht und bis zur Vorlage des Ergebnisses abgesondert werden.

- Innerdeutsches Verbringen von Fressern: Nur mit Nachweis der BVDV-Unverdächtigkeit; befristete Ausnahmemöglichkeit für das Verbringen in reine Endmastbetriebe (Stallmast) s.o.

- Alle anderen innerdeutschen Bestandswechsel von Rindern: Nur als BVDV-unverdächtige Tiere.

Wie kann ein Bestand BVDV-unverdächtig werden?
Zunächst wird der Einzeltierstatus aller Rinder des Bestandes festgestellt (Basisuntersuchung). Persistente Virämiker sind auszumerzen und nicht untersuchungsfähige Tiere wie z. B. schwere Bullen zu  schlachten. Im darauf folgenden Beobachtungszeitraum von 12 Monaten sind alle nachgeborenen Rinder zu untersuchen. Wird ein persistenter Virämiker gefunden, beginnt der Beobachtungszeitraum von vorne. Zusätzlich dürfen während dieses Zeitraums natürlich keine klinischen BVD-Erscheinungen festgestellt werden. Jegliche Kontakte mit anderen Rindern, die nicht BVDV-unverdächtig sind oder sonstige BVD-Einschleppungsmöglichkeiten sind auszuschließen. Ansonsten beginnt wiederum der Beobachtungszeitraum erneut.
Aktuelle Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass „vergessene“, nicht untersuchte, positive  Tiere bei der Sanierung Probleme bereiten und immer wieder zu neuen Infektionen führen.
Kann der Bestand schließlich als BVDV-unverdächtig anerkannt werden, erhält er darüber die amtstierärztliche Bescheinigung nach der Anlage 2 der Verordnung. Die Veterinärämter können die Gültigkeit wegen der Vorleistungen durch die breite freiwillige Sanierung gleich auf sechs Monate befristen.

Rinderhalter in NRW sind gut gerüstet
Im Hinblick auf die ab 1.1.2011 geltenden Vorschriften hatte das Land NRW gemeinsam mit der Tierseuchenkasse in 2010 ein umfassendes Programm aufgelegt, mit dem jeder Rinderhalter die Möglichkeit erhalten sollte, möglichst zeitnah zum Stichtag 1.1.2011 den Betriebsstatus „BVDV-unverdächtig“ zu erlangen. Diesem Programm haben sich ca. 97% der Rinder haltenden Betriebe in NRW angeschlossen. Das Programm hatte ein Gesamtvolumen von rund 4 Millionen Euro, von denen das Land 2 Millionen getragen hat.

Dr. Arno Piontkowski
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft,
Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

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