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Schreiben des Veterinäramtes Recklinghausen an die Kreisjägerschaft:

"Die Zunahme des Schwarzwildes stellt eine potentielle Gesundheitsgefahr für die Hausschweinebestände auch im Kreis Recklinghausen dar. Je dichter die Wildschweinpopulation ist, desto leichter können sich Krankheitserreger innerhalb dieser Population ausbreiten und gleichzeitig steigt die Gefahr einer Einschleppung von gefährlichen Krankheitserregern in Nutzschweinebestände. So ist ein nicht unerheblicher Teil der Schweinepestausbrüche in landwirtschaftlichen Schweinehaltungen auf direkten oder indirekten Kontakt mit infizierten Wildschweinen zurückzuführen. Auch der den Schweinepestausbruch 2006 im Kreis Recklinghausen verursachende Virusstamm (2.3 Güstrow) war 1992 zuerst bei Wildschweinen nachgewiesen worden.

Ein Ausbruch der Wildschweinepest im Kreis Recklinghausen hätte verheerende Konsequenzen für die zahlreichen Hauschweinebestände in unserer Region, da mit mehrjährigen Handelsbeschränkungen für lebende Schweine, Schweinefleisch und sonstige vom Schwein stammende Erzeugnisse zu rechnen ist. Diese Beschränkungen dürften eine sinkende Nachfrage und geringere Erlöse vor allem für Erzeuger zur Folge haben und so eine nicht unerhebliche Anzahl von Betrieben in den wirtschaftlichen Untergang treiben.
Um diesem Schreckensszenario vorzubeugen muss es Ziel sein, die Schwarzwildpopulation dauerhaft auf ein niedriges Niveau zu bringen. Dies stellt für die Jägerschaft des Kreises Recklinghausen eine große Herausforderung dar. Um das zur Bewältigung erforderliche jagdliche Engagement anzuerkennen und zu stärken hat sich der Kreis Recklinghausen entschlossen den Jägern ab dem 1. Oktober 2010 eine Aufwandsentschädigung in Höhe der Trichinenuntersuchungskosten zu gewähren, wenn zusammen mit der Trichinenprobe die Milz oder ersatzweise eine Niere des erlegten Schwarzkittels abgeliefert wird, die auf Schweinepest untersucht werden kann.
Derzeit gilt diese Zusage zunächst für jährlich 1.000 Trichinenproben von den im Kreis Recklinghausen erlegten Wildschweinen.

Leider geht es nicht ganz ohne bürokratische Hürden. Zunächst einmal müssen der Jäger oder die Jägerin für die Trichinenprobeentnahme geschult sein, wovon aber beim weitaus überwiegenden Teil der Jägerschaft auszugehen ist. Dann müssen er oder sie einen Antrag auf Übertragung der Pflicht zur Entnahme von Trichinenproben bei Wildschweinen beim Kreis Recklinghausen stellen.

Dr. Siegfried Gerwert
Amtstierarzt"