Stellenausschreibungen

Ankündigung des 39. Veterinärkongresses und des Anschlussseminars 2022 sowie ​
Anmeldung zum AHL-Seminar des BbT

Umfrage der BTK zur Situation in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIALS 3/2021

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wir wollen mehr Demokratie wagen.“
sagte Willy Brandt (*1913-1992) als Bundeskanzler in seiner 1. Regierungserklärung.
Heute wünschte man sich zudem, dass Demokratie mit mehr Vernunft und Respekt geschähe. Fehlt sie doch oft, die Mehrheit für Vernünftiges und Durchdachtes. Lobbyismus und Profilsucht prägen häufig die Wahrnehmung von Parteien, Regierungen und Parlamenten.
Bald stehen Bundestags- und verschiedene Landtagswahlen an. Ein Wettstreit um Mehrheiten und damit um Positionen der Macht ist zu beobachten. Da könnte man gleich mit einem Zitat von Hans-Jochen Vogel (1926-2020) „Macht muss dienen!“ fortfahren…
Hier drängt sich die Frage auf: Wem? Den Menschen, der Umwelt, den Tieren…?!

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

leider ist die EU-weite Regelung zur Kennzeichnung von betäubungslos geschlachtetem Fleisch gescheitert. Vertreter des Parlaments und des Rates haben es in einem Gespräch vorgezogen, die Thematik im Rahmen der neuen Tierschutz-Strategie der EU-KOM zu diskutieren - vermutlich eine Hinhaltetaktik, die ins Leere führt. Man kann nur versuchen immer wieder darauf zu pochen, dass es wichtig ist.

Fleisch von betäubungslos geschlachteten Tieren wird zukünftig nicht gekennzeichnet werden. Ein Versuch des ENVI (Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit

und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments), neben vielen anderen Bestimmungen, die Kennzeichnung von Lebensmitteln in einem Entwurf zur einer neuen EU-Lebensmittelkennzeichnungsvorschrift zu verankern, ist noch vor der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments im Juli 2011 gescheitert.
In einer Sitzung Ende Juni 2011 haben sich Vertreter des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates in einem Abstimmungsgespräch geeinigt, die Kennzeichnung des Fleisches von betäubungslos geschlachteten Tieren zunächst nicht im Gesamtpaket der Kennzeichnungselemente der neuen Bestimmungen zu belassen. Diese tierschutzrelevante Kennzeichnung wird damit in der nächsten Plenarsitzung des Europäischen Parlaments nicht mehr verhandelt. Man sprach sich dafür aus, dass das Thema der Kennzeichnung solchen Fleisches Gegenstand von weiteren Diskussionen im Rahmen der neuen Tierschutzstrategie der EU-Kommission sein sollte.
Am 19. April 2011 hatte der ENVI sich für die Kennzeichnung betäubungslos gewonnenen Fleisches entschieden und es in einem Vorschriftenentwurf eingepflegt. Zeitnah zu diesem Termin hatte die FVE (Föderation der Tierärzte in Europa) eine weitere Stellungnahme zum Thema an die Mitglieder des Parlaments gesendet. Wenn im Juli 2011 der Europäische Parlament dem Entwurf der Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln mit den Hinweisen zur betäubungslosen Schlachtung zugestimmt hätte, dann wäre nach jahrelangem Engagement der europäischen Tierärzte ein wesentlicher Durchbruch gelungen.
Bereits im Jahr 2002 hat die FVE. unter deutscher Präsidentschaft (Dr. Karl Heinz Simon) in einer von der Unterzeichnerin geleiteten Arbeitsgruppe zum rituellen Schlachten ein Positionspapier erarbeitet, das heute noch Grundlage für Diskussionspapiere und Mitteilungen zum Thema ist. Die FVE hat auch aktiv am DIALREL-Projekt (finanziert durch die Europäische Kommission) mitgewirkt, das sich mit diesem Thema beschäftigt und sich auf internationaler Ebene u. a. an Diskussionen mit Vertretern der betroffenen Glaubensrichtungen beteiligt.
Dieses Thema ist seit langem ein besonderes Anliegen auch der Bundestierärztekammer, die sich schon vor Jahren für die Kennzeichnung von Fleisch betäubungslos geschlachteter Tiere vor dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und involvierten Gremien stark gemacht hat.
Dass solche Durchbrüche in einer so sensiblen Diskussion nicht von heute auf morgen zu erreichen sind, ist jedem klar. Eine Verhandlung auf der Ebene des Tierschutzes, wie sie nun geführt werden sollte, ist jedoch nicht nur langwieriger, sondern stößt stärker auf ethische Fragen, die schwer in der politischen Welt zu beantworten sind. Mit einem Wermutstropfen begleitet muss man erkennen, dass die Argumentation der umfassenden Information des Verbrauchers von allen Debatten, die geführt wurden, die stichhaltigste war. Nun - die Offenheit sei erlaubt- wird es auf die lange Bank geschoben ... mit ungewissem Ausgang für die betroffenen Tiere sowie für das Recht des Verbrauchers auf Transparenz!

Dr. Rossi-Broy
Vizepräsidentin

 

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