Stellenausschreibungen

Ankündigung des 39. Veterinärkongresses und des Anschlussseminars 2022 sowie ​
Anmeldung zum AHL-Seminar des BbT

Umfrage der BTK zur Situation in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIALS 3/2021

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wir wollen mehr Demokratie wagen.“
sagte Willy Brandt (*1913-1992) als Bundeskanzler in seiner 1. Regierungserklärung.
Heute wünschte man sich zudem, dass Demokratie mit mehr Vernunft und Respekt geschähe. Fehlt sie doch oft, die Mehrheit für Vernünftiges und Durchdachtes. Lobbyismus und Profilsucht prägen häufig die Wahrnehmung von Parteien, Regierungen und Parlamenten.
Bald stehen Bundestags- und verschiedene Landtagswahlen an. Ein Wettstreit um Mehrheiten und damit um Positionen der Macht ist zu beobachten. Da könnte man gleich mit einem Zitat von Hans-Jochen Vogel (1926-2020) „Macht muss dienen!“ fortfahren…
Hier drängt sich die Frage auf: Wem? Den Menschen, der Umwelt, den Tieren…?!

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Seit der Einführung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Gesundheit in den Tierbeständen stark verändert. Klassische Zoonosen, die durch klinische und/oder pathologisch-anatomische Untersuchungen erkannt werden können, spielen kaum mehr eine Rolle. Heute bedeutsame Zoonosen, wie z.B. die durch Salmonellen, Campylobacter, Toxoplasmen und Yersinien verursachten, verlaufen beim Schwein i.d.R. subklinisch und zeigen keine Veränderungen an Tierkörpern und Organen.

Diese Verschiebung der Gesundheitsrisiken für den Menschen muss durch eine Anpassung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung getragen werden, um die Lebensmittelsicherheit und den Verbraucherschutz zu verbessern. Dabei steht die Berücksichtigung und schrittweise Minimierung der im Vorfeld der Schlachtung (Futter und Fütterung, Tierhaltung und Tiertransport) entstehenden Lebensmittelrisiken im Vordergrund.

Bei der risikoorientierten Schlachttier- und Fleischuntersuchung wird die sogenannte Lebensmitteketteninformation aus den Schlachtschweine liefernden Tierbeständen, die unter kontrollierten Bedingungen und in integrierten Produktionssystemen gehalten werden, durch regelmäßige serologische und mikrobiologische Untersuchungen ergänzt. Im Gegenzug kann sich, wenn alle relevanten Informationen ein niedriges Risikoniveau signalisieren, die Fleischuntersuchung auf eine Besichtigung beschränken („visuelle“ Fleischuntersuchung) – bei Tieren aus Beständen, für die ein hohes Risikoniveau angenommen werden muss, werden zusätzlich gezielte Untersuchungen durchgeführt.

Die Verordnung (EG) 854/2004 vom 29. April 2004 sieht diese Möglichkeit vor; die Verordnung (EG) 1244/2007 präzisiert die Kriterien für die erforderlichen Haltungsbedingungen.

Die Ergebnisse mehrerer Studien haben gezeigt, dass durch die vor- und nachgelagerten zusätzlichen Untersuchungen nicht nur Gleichwertigkeit, sondern sogar ein Mehr an Sicherheit für den Verbraucher erzielt wird, und durch die Rückmeldung der Schlachtbefunde ein neues Instrument zur Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierschutzes entsteht. Mittlerweile ist die  risikoorientierte Untersuchung ohne routinemäßige Anschnitte als Standardverfahren an mehreren großen Schlachthöfen etabliert. Ein Leitfaden für die amtliche Überwachung steht kurz vor der Fertigstellung.

Der BbT befürwortet die Weiterentwicklung der risikoorientierten Fleischuntersuchung, da die Vorteile eindeutig überwiegen. In naher Zukunft werden multi-serologische Untersuchungen auf mikrolabortechnischer Ebene zur Verfügung stehen, die eine Einschätzung der Tiergesundheit und des Infektionsstatus des Herkunftsbestandes erlauben, und Hinweise auf Defizite bei den Haltungsbedingungen und bei der Tierbetreuung geben..

Damit werden bei der risikoorientierten Untersuchung wichtige Aspekte von öffentlicher Gesundheit, Tiergesundheit und Tierschutz berücksichtigt. Für eine Finanzierung der flankierenden Untersuchungen durch die Schlachtunternehmen muss durch alle beteiligten Gruppierungen der Mehrwert für den Verbraucherschutz anerkannt und eingefordert werden.

Es ist die Aufgabe der tierärztlichen Organisationen, mit ihrer fachlich Kompetenz zu einer Verbesserung der Lebensmittelsicherheit beizutragen, insbesondere aber auch überzeugende Vorstellungen zur Qualität und zum notwendigen Personaleinsatz in der Fleischuntersuchung zu entwickeln. Die Reduktion von Kosten darf dabei kein entscheidendes Kriterium sein.

 

 

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