Drucken

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie ermöglichen seit Jahren durch die Übernahme der Betreuung von Studierenden die Ableistung der praktischen Ausbildung nach der tierärztlichen Approbationsverordnung. Ich möchte Ihnen dafür und auch für die Rückmeldungen durch die Evaluierungsbögen herzlich danken. 

Heute möchte ich Sie als Sprecherin des Arbeitskreises Lehre informieren, dass 2014 bereits der dritte „Katalog der Lehrinhalte lebensmittelhygienischer Fächer an den deutschsprachigen tierärztlichen Ausbildungsstätten“ erschien. Er ist das erfolgreiche Ergebnis gemeinsamer Bemühungen der Hochschullehrer aus Berlin, Gießen, Hannover, Leipzig, München, Wien und Zürich, die Ausbildungsinhalte der Fächer Fleisch-, Lebensmittel- und Milchhygiene abzustimmen. 

Eine erste Initiative dazu fand bereits Mitte der 90er Jahre statt: aus dem Arbeitsgebiet Lebensmittelhygiene der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) formierte sich der „DVG-Arbeitskreis Lehre in den lebensmittelhygienischen Fächern der deutschsprachigen Länder“. Er ist ein Gremium von Hochschullehrern, in dem Themen universitärer Aus- und postgradualer Weiterbildung für die Gebiete Fleisch-, Lebensmittel- und Milchhygiene diskutiert und bearbeitet werden. 

Schon kurz nach der Gründung des Arbeitskreises entstand 1998 der erste, zwischen allen einschlägigen deutschsprachigen Institutionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, abgestimmte Lehrkatalog. Großen Anteil daran hatte der Initiator und langjährige Leiter des Arbeitskreises Professor Karsten Fehlhaber, der bis zu seiner Pensionierung 2011 regelmäßig an das Institut für Lebensmittelhygiene der Universität Leipzig einlud. Nach seinem Ausscheiden übernahm ich als seine Nachfolgerin die Leitung des Arbeitskreises. So wurde auf meine Initiative die aktuelle deutsch- und zugleich englischsprachige Auflage erarbeitet, in der auch die Evaluationsbögen für die Bewertung der extramuralen Pflichtpraktika enthalten sind. Gleichzeitig erfolgte in Ergänzung des Lehrkataloges die Erarbeitung und Veröffentlichung der ersten gemeinsamen Version „Lernziele-Ersttagskompetenzen“ (2015).

Der Lehrkatalog stellt das Ergebnis einer in der Tiermedizin bisher einzigartigen fakultätsübergreifenden Zusammenarbeit dar, nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern in ganz Europa.

Mit dem Lehrkatalog werden folgende Ziele angestrebt: 

Erstens: die inhaltliche Abstimmung der Lehrinhalte zwischen den deutschsprachigen Bildungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie die Ableitung von Ersttagskompetenzen und Lernzielen 

Zweitens soll damit die Sicherung des sachlich erforderlichen Stellenwertes der genannten Fächer bedingt durch die steigenden Anforderungen an die tierärztliche Tätigkeit innerhalb des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sowie der veterinärmedizinischen Wissenschaftsdisziplinen gewährleistet werden. 

Drittens stellt er eine Diskussionsgrundlage für eine Angleichung der Lehrinhalte innerhalb der europäischen Union und darüber hinaus dar. Dass diese funktionieren kann, wird dadurch belegbar, dass 2011 aus dem deutschsprachigen Arbeitskreis heraus eine Spiegel-Gruppe auf europäischer Ebene (Europäische Veterinärmedizinische Lehrende im Bereich Lebensmittelhygiene und -sicherheit -EVFST) entstanden ist, die sich 2016 in Uppsala bereits zum 6. Mal getroffen hat. 

Prof. Dr. Peggy Braun

Sprecherin des Arbeitskreises, Institut für Lebensmittelhygiene Leipzig, 8.8.2016

_________________________________________________________________

Erstens: die inhaltliche Abstimmung der Lehrinhalte zwischen den deutschsprachigen Bildungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

Die genannten Lehrinhalte fügen sich unmittelbar in die „One Health Initiative“ ein, einer weltweiten Strategie zur internationalen Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen, die sich um Standardisierung und Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens zum Wohl von Mensch und Tier sowie zum Schutz der Umwelt bemühen (Lehrkatalog 2014). Daraus werden die Lernziele für die Studierenden der Tiermedizin abgeleitet. 

Zweitens soll die Sicherung des sachlich angemessenen Stellenwertes der lebensmittelhygienischen Ausbildung in der Veterinärmedizin, die durch die steigenden Anforderungen an die tierärztliche Tätigkeit innerhalb des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sowie der veterinärmedizinischen Wissenschaftsdisziplinen bedingt ist, zukunftssicher gewährleistet werden. 

Zweifellos ist die Wahrnehmung der Fächer Fleisch-, Lebensmittel- und Milchhygiene sowohl in der Öffentlichkeit als auch innerhalb der Fakultäten und vor allem bei den Studierenden nicht oder kaum ausgeprägt. Gleichzeitig steigt jedoch sowohl national als auch international der Bedarf an  tierärztlicher Expertise in den Lebensmittelfächern und damit die Bedeutung für den gesamten Bereich ‚Veterinary Public Health’. Diese, in allen Ländern zu beobachtende Diskrepanz führt zu Problemen, die nicht nur an einer einseitig auf klinische Fächer ausgerichteten Motivation für das Tiermedizinstudium bei Erstsemestern sichtbar ist, sondern sich auch auf zunehmend größer werdende Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen in Forschungseinrichtungen, Behörden und Organisationen mit kompetent ausgebildeten Tierärzten auswirkt. Als Folge dieser Nachwuchsprobleme werden diese Stellen mit Bewerbern anderer fachlicher Hintergründe besetzt und gehen somit für die Tiermedizin verloren. Die Sicherung des Stellenwertes der Lebensmittelfächer – Fleischhygiene, Lebensmittelhygiene und Milchhygiene – ist für den Arbeitskreis daher eine der prioritären Aufgaben. 

Drittens stellt er eine Diskussionsgrundlage für eine Angleichung der Lehrinhalte innerhalb der europäischen Union und darüber hinaus dar. Dass diese funktionieren kann, wird dadurch belegbar, dass 2011 aus dem deutschsprachigen Arbeitskreis heraus eine Spiegel-Gruppe auf europäischer Ebene entstanden ist. In diesem Jahr fand in Uppsala bereits das 6. Meeting der europäischen veterinärmedizinischen Lehrenden im Bereich Lebensmittelhygiene und -sicherheit (EVFST) statt. Der Arbeitskreis wird dabei jeweils mindestens von Frau Prof. Braun vertreten.